Der stuul®-Toilettenhocker im Test

Der stuul® Toilettenhocker auf dem Esstisch. Im Hintergrund in weiß der alte Toilettenhocker.

Der stuul®-Toilettenhocker ist aus meiner Sicht der beste Toilettenhocker, den man in Deutschland derzeit kaufen kann.

Das ist sicherlich eine starke Ansage gleich zum Anfang eines Testberichts. Aber eigentlich läuft es genau auf diese Aussage hinaus. Wer den ganzen Testbericht nicht lesen mag: Der Einsatz eines solchen Toilettenhockers lohnt sich sehr und ich kann ihn aus den unten genannten Gründen wirklich nur sehr empfehlen.

Ich habe diesen Toilettenhocker jetzt seit 5 Wochen im Dauertest und möchte im folgenden Testbericht auf ein paar Punkte eingehen und erklären, wieso ich von diesem Produkt so überzeugt bin.

Sitz- vs. Hocktoilette

Vor ca. 11 Jahren entfachte im Forum der Sustainable Sanitation Alliance eine Diskussion darüber, welche Art von Toilette eigentlich besser sei: Unsere europäische Sitztoilette oder doch die asiatische Hocktoilette?

Die indischen und philippinischen KollegInnen im Team waren natürlich mit der Hocktoilette aufgewachsen und an deren Benutzung gewöhnt. Wobei wir NutzerInnen der Sitztoilette eher Knieschmerzen befürchteten und an seltsame Körperhaltungen dachten, hatten die NutzerInnen der Hocktoilette vor allem den besseren Kot-Abgang im Sinn: Es flutscht einfach besser, wenn die Knie angewinkelt sind und dadurch der Beckenmuskel entspannter ist.

Reference: Tagart REB. The Anal Canal and Rectum: Their Varying Relationship and Its Effect on Anal Continence, Diseases of the Colon and Rectum 1966: 9, 449-452. Quelle: https://www.naturesplatform.com/health_benefits.html

Diese Erkenntnis beschrieb auch schon Giulia Enders in ihrem erfolgreichen Beststeller „Darm mit Charme” gleich am Anfang ihres Buches. Durch die falsche Sitzhaltung/-position auf den “normalen” Toiletten bereiten wir dem Körper eigentlich mehr Probleme als von der Natur aus vorgesehen. Die modernen Sitztoiletten (Stand WC, Hänge WC) mit und ohne Wasserspülung gibt es erst seit 200-300 Jahren. Selbst die von den Römern gebauten Toiletten (die mit dem feuchten Schwamm am Stock) waren Hocktoiletten, auch wenn die Bauform eher an Sitztoiletten erinnert.
Unser menschlicher Körper ist evolutionsbiologisch eigentlich eine andere andere Position beim Defäkieren gewohnt.

Nimmt der Mensch beim Defäkieren eine Sitzposition in der tiefen Hocke ein, verringert sich der Winkel zwischen den Oberschenkeln und dem Oberkörper. Dadurch entspannt sich die Beckenbodenmuskulatur und der Darm befindet sich in einer geraderen Position, bei der die Darmentleerung erleichtert wird. Wie auf dem oben verlinkten Bild schön zu erkennen ist. Mittlerweile gibt es zu diesem Thema diverse Studien, die hier auch nochmal schön aufgelistet werden.

Es reicht auch nicht, nur die Beine vorne anzuheben und sich vorzubeugen. Das ist vielleicht für die Darmperistaltik hilfreich, aber die für den Darm und Nerven beste Position ist eigentlich die asiatische Hocke, bei der die Füße neben dem Gesäß zum Stehen kommen und das ganze Gewicht auf den Füßen liegt. Da wird das aber bei unseren Toiletten nicht hinbekommen, ist es aus meiner Sicht schon sehr hilfreich, wenn wir die Beine soweit wie möglich neben der Toilette anwinkeln können.

Um auf einer normalen Sitztoilette, bei der man die Füße normalerweise auf dem Boden vor der Toilette absetzt, eine solche verbesserte Position einnehmen zu können, gibt es seit vielen Jahren bereits diverse Hockerkonstruktionen als DIY-Lösung oder auch schon fertig zu kaufen. Von Telefonbüchern über Ikea-Schemeln bis hin zu massiven Kunststoffboliden habe ich da schon so einiges gesehen – und vieles davon ist einfach nur furchtbar hässlich und unpraktisch.

The Squatty Potty Unicorn

Vor einigen Jahren gab es eine populäre und witzige Kampagne eines amerikanischen Herstellers von Toilettenhockern, bei dem ein Einhorn bunte Eiscreme herausdrückt. Irre komisch, ich hatte damals darüber gebloggt und mir daraufhin selber so einen weißen Toilettenhocker aus Kunststoff gekauft. 37 EUR hatte ich in 2015 für dieses weiße Plastikding bezahlt.

„Cool, endlich einen vernünftigen Toilettenhocker”, dachte ich mir damals dabei. Hier in der Mietwohnung aus den 1970ern gibt es nur ein unrenoviertes Bad mit einer separaten Sitztoilette. Alles schön im Retro-Style, man möge mir also die fehlende Eleganz auf den Bildern verzeihen.

Jedenfalls: Neben der Toilette befindet sich bei mir ein Haltegriff für ältere und behäbige Menschen, und der ist sehr praktisch, weil man je nach Körpergröße und Körpergewicht sein Gewicht beim Auf- und Absteigen kurzzeitig auf so einem Hocker zumindest teilweise abstellt und sich am Griff festhalten kann. Es geht natürlich auch ohne. Nicht jeder Mensch hat Ideal- oder Normgewichte, ich bin beispielsweise über 1,9m groß und wiege deutlich über 110kg. Wenn hier ein Toilettenhocker also im praktischen Einsatz dauerhaft funktionieren soll, dann muss der schon einigermaßen taugen und darf nicht nur ganz nett oder nur formschön sein.

Der alte, weiße Toilettenhocker hat die falschen Maße und fiel hier schnell in Ungnade.

Ich hatte also endlich einen von diesen weißen Toilettenhockern, wie es sie mittlerweile viel öfter und von verschiedenen Herstellern gibt. Die meisten von denen unterscheiden sich auch nicht wirklich voneinander und ich gehe davon aus, dass viele Käufer (so wie ich) von den weißen Toilettenhockern nicht so begeistert sind. Leider ist dieser weiße Toilettenhocker nämlich irre sperrig und kann vielleicht bei Hänge-WCs etwas drunter geschoben werden. Bei meinem Stand-WC geht das aber nicht so gut und so steht der weiße Toilettenhocker eher im Weg und macht sich schnell unbeliebt.

Ein weiteres Problem dieses weißen Toilettenhockers ist die starre Breite. Dazu aber später mehr. Kurzum: Der Toilettenhocker wurde anfangs ausprobiert, war ganz nett und stand dann wochenlang eher ungenutzt neben der Toilette, bis er im letzten Winkel im Keller verschwand.

Dort stand er dann die letzten sieben Jahre ungenutzt herum. Für die Vergleichsfotos und für diesen Test habe ich ihn jetzt aus dem Keller geholt. Und wieder steht er hier im Flur und nimmt eigentlich nur Platz ein. Versteht mich bitte nicht falsch: Diese weißen Toilettenhocker aus Kunststoff sind schon ok und sie funktionieren sicherlich auch für viele NutzerInnen. Aber für mich ist das nichts mehr. Dann lieber ohne.

Letztens hatte ich hier im Blog auch schon die (ebenfalls empfehlenswerte) Bidelity Intimdusche getestet und entdeckte dann in deren Shop einen neuartigen Toilettenhocker, den ich so noch nie gesehen hatte: Den stuul®-Toilettenhocker. Woah! MUSS ICH UNBEDINGT TESTEN! So kam ich zum diesem stuul®-Toilettenhocker, um den es in diesem Testbericht geht und von dem ich jetzt so begeistert bin.

So kam er hier an.

Der stuul®-Toilettenhocker

Der stuul®-Toilettenhocker.

Den stuul®-Toilettenhocker habe ich in der Farbe Schwarz (“charcoal”) seit 5 Wochen im täglichen Einsatz und bin davon hellauf begeistert. Ja, der Toilettenhocker kostet derzeit 49 EUR bei Amazon und das ist doch eigentlich viel Geld für ein Produkt, das laut den Angaben des Herstellers zu 90% aus Luft besteht.

Was macht den Toilettenhocker
so besonders?

Design

Das Design ist durchdacht und sinnvoll. Die Form des Toilettenhockers ist aus meiner Sicht perfekt. Ich wüsste nicht, was ich daran verändern wollte. Jedes Detail, jede Seite hat die richtige Oberflächenbeschaffenheit, die einen guten Griff ermöglicht. Der stuul®-Toilettenhocker besteht aus zwei einzelnen Teilen, die man bei Nichtgebrauch zusammenstecken kann. Selbst für diejenigen, die mit einem kleinen Schemel zurechtkommen, kann der Hocker in der zusammengesteckten Form verwendet werden. Die Standflächen für die Füße sind angewinkelt und genoppt, sie bieten somit einen sicheren Halt und können je nach Bedarf unterschiedlich positioniert werden. Zusammengesteckt benötigt der stuul®-Toilettenhocker keine weiteren Mechanismen, sondern hält durch die Scherkräfte / Spannung des verwendeten Materials. Auf der Stellfläche gibt es ein abgerundetes Loch, das zugleich als Griff dient. Das ist schon alles sehr gut durchdacht und unterscheidet sich damit deutlich von diesem weißen Kunststoff-Hocker.

Der stuul®-Toilettenhocker ist sogar Preisträger des Universal Design Consumer Award 2019, des GOOD DESIGN Award 2019 sowie des International Design Award (IDA) 2019. Welcher Toilettenhocker hat das sonst erreicht?

Die Oberseite für die Füße hat ein Gefälle von 5°, was man hier hoffentlich etwas erkennen kann.

Material

Der Toilettenhocker besteht aus expandiertem Polypropylen (EPP), das wie erwähnt zu einem Großteil aus Luft besteht. Es ist der einzig verwendete Kunststoff in diesem Toilettenhocker, das auch wieder in den Recyclingprozess zurückgeführt werden kann. Dieses Material ist nicht nur sehr leicht und die Konstruktion sehr stabil, sondern bietet auch eine gewisse Elastizität, wo ein Toilettenhocker aus einem festem HD-PE oder PP eher noch gummierte Füße benötigt und einfach viel brüchiger wirkt. Der stuul® aus EPP dagegen braucht sich ob seiner durchdachten Form und des sinnvoll ausgewählten Materials überhaupt nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken. Ein weiterer Vorteil des hohen Luftanteils ist die Anpassung der Oberfläche an das Raumklima. Keine kalten Füße mehr auf unbequemen Hockern. Der Designer erwähnt auf seiner Website auch noch die Hautfreundlichkeit des Materials, was kein ganz unwesentlicher Punkt ist, da der Hocker wohl oft mit nackten Füßen bestiegen und davor und danach in der Hand gehalten wird.

Stuul® Beschriftung auf der Innenseite

Es ist immer wieder erstaunlich, welche Rolle die richtige Materialauswahl beim Designprozess spielt. Es werden so viele Dinge davon beeinflusst, und dabei ist das hier nur so ein Ding aus leichtem, aufgeschäumten und sehr festem Kunststoff, das man 5 Minuten am Tag benutzt und nur ein paar Sekunden lang in der Hand hält. Aber: Diese Dinge sind wichtig. Das Material fühlt sich sehr wertig und richtig an. Kein China-Schrott, keine undefinierten, stinkenden Kunststoffe. Der Hersteller und Vertreiber lässt die Hocker sogar komplett in Deutschland produzieren. Das ist ja dann auch nicht ganz unwesentlich für eine Ökobilanz.

Stuul® Beschriftung auf der Innenseite. Hier: Zuordnung des Materials nach Recycling-Code 5 (PP).

Übrigens: Zu EPP schreibt das EPP-Forum noch „EPP zeichnet sich insbesondere durch eine hohe Strukturfestigkeit, eine hohe Energieabsorptionsrate und gutes Rückstellvermögen bei geringstem Gewicht aus. Des Weiteren punktet EPP mit seiner Lebensmittelverträglichkeit, Recyclingfähigkeit und den umfangreichen Gestaltungsmöglichkeiten für die kreative Branche.” (Quelle)
Das klingt alles nach DEM idealen Kunststoff für diesen Einsatzzweck.

Modularität

Der stuul®-Toilettenhocker besteht aus zwei einzelnen Hockern gleicher Größe in den Maßen ca. 26(B) x  23(W) x 19(H) cm und zusammen wiegen sie insgesamt 378g. Sie können bei Nichtgebrauch zusammengesteckt und irgendwo verstaut werden. Bei mir stehen sie direkt neben der Toilette und werden bei Gebrauch mit einem Handgriff hervorgeholt.

Man kann sich die beiden einzelnen Hocker nach Belieben weit auseinander aufstellen. Das ist ein ganz großer Vorteil, den die meisten anderen Toilettenhocker nicht bieten können.

Und jetzt kommt es, wieso ich den stuul®-Toilettenhocker so genial gut finde und viele andere Hockerkonstruktionen eben nicht: Durch die beiden einzelnen Schemel kann man sich die Breite der angewinkelten Beine selber positionieren. Der Trick beim Anwinkeln der Beine ist nämlich, dass diese nicht frontal, sondern seitlich angezogen werden. Auf einer Hocktoilette stellt man die Füße auch neben das Loch – und nicht davor! Die beiden einzelnen Schemel ermöglichen also eine Flexibilität, die ich bisher “Toilettenhockertechnisch” so noch nicht kannte. Das ist genial und genau so soll es sein. Für mich ist das neben all den anderen Material- und Design-Vorteilen eigentlich das Hauptargument. Diese flexible Aufstellmöglichkeit und damit verbunden eine individuelle Sitzhaltung, die sich jede/r Benutzer/In selber zurechtstellen kann. Auch gerade für Menschen mit gewölbtem Bauch (Schwangere, Adipositas, usw) ist das hier sehr praktisch und auch wichtig. Man möchte bequem sitzen und sich richtig entleeren können. Das klappt hier aufgrund der Modularität besser als beispielsweise mit dem alten Toilettenhocker.

Die beiden Toilettenhocker im Vergleich: Hinten der alte, sperrige Hocker. Im Vordergrund die beiden neuen stuul®-Hocker.

Höhe

Mein Stand-WC hat eine Sitzhöhe von 41 cm, die beiden stuul®-Toilettenhocker sind jeweils ca. 17-19 cm hoch (einzeln aufgestellt haben sie eine schräge Standfläche für die Füße mit 5° Gefälle). Für mich (1,92m) haben sie die richtige Höhe. Wem das noch zu niedrig ist, der kann sicherlich auch noch die Füße anwinkeln und das Gewicht nach hinten auf den Toilettensitz verlagern. Wichtig ist am Ende eine angewinkelte Sitzposition, ähnlich wie bei der asiatischen Hocktoilette.  In der Höhe verstellbare Toilettenhocker? Ich weiß nicht, ob das so ein Thema ist. Vielleicht gibt es dafür einen Markt und vielleicht wäre das einer der Verbesserungsvorschläge, falls es da auch eine Nachfrage gibt oder jemand das für seine Kinder benötigt. Für mich als erwachsenen Menschen ist die Höhe jedoch genau richtig. Durch die schräge Oberseite kann hier mit dem individuellen Höhenwunsch auch noch besser variiert werden. Der weiße Toilettenhocker ist mit 21 cm übrigens etwas höher und das ist leider nicht so bequem für mich.

Der stuul Toilettenhocker ist mit 19cm 2cm niedriger als der 21cm hohe Toilettenhocker von Hoca.

Farben

Es gibt den stuul® derzeit in 8 verschiedenen Farben. Die Farbe “ocean” ist eine Art Hellgrün und hat einen Recyclinganteil von 15%, der aus Abfällen der maritimen Industrie stammt. Das sind alles sehr schöne, warme Farben und es fällt dann auf, dass die Farbe Weiß überhaupt nicht vertreten ist. Das ist sicherlich absichtlich so, damit sich das Produkt von den weißen Toilettenhockern unterscheidet. Meiner in charcoal (einem Schwarzton) sieht jetzt übrigens immer noch aus wie neu. Der Hocker ist übrigens auch abwaschbar, und das liegt natürlich an den hervorragenden Eigenschaften des Partikelschaumstoffs EPP.

stuul®-Farben, Quelle: Screenshot, https://www.stuul.de

Benutzung

Wie bereits erwähnt, setzt man sich auf die Toilette, zieht dann den Hocker aus seinem Versteck, zieht die beiden einzelnen Hocker auseinander und platziert sie schräg nebeneinander vor und neben die Toilette. So in 11- und 1 Uhr Positionen wie auf der Uhr. Danach setze ich erst den einen Fuß, dann den anderen Fuß auf die Hocker und verlagere das Gewicht etwas nach hinten. Die Beine werden dadurch angezogen und man merkt langsam, wie sich der Darm in dieser Sitzposition entspannt. Das eigentliche Geschäft kann dann losgehen. Und das klappt mit dieser Konstruktion bis jetzt immer sehr gut. Gerade wer als übergewichtiger Mensch einen trägen Darm hat und auf eine gesunde (Dick-)Darmbewegung angewiesen ist, für den empfiehlt sich diese Konstruktion aus meiner Sicht sehr. Es ist doch schon eine deutliche Entlastung für den Darm.

Derr stuul® lose zusammengesteckt

Einen einzigen Nachteil habe ich bei der Benutzung entdeckt, der aber nicht nur auf diesen Hocker bezogen ist, sondern systemtechnisch immer unvermeidbar ist: Mit ausgezogener (also von den Beinen abgestreifter) Hose klappt das alles viel besser. Weil man dann die Beine frei bewegen kann und nicht durch Hose/Unterhose in der Breite limitiert wird.

Der stuul® fest zusammengesteckt. Es hält so zusammen!

Nachhaltigkeit

Die Verpackung besteht aus Karton, es liegt ein Kärtchen dabei, eine kurze Benutzungsanleitung ist auf dem Karton aufgedruckt und sonst gibt es nichts weiter – überflüssiges – im Karton. Nur der Toilettenhocker im Papierkarton.

Das Material besteht aus EPP, teilweise aus recycelten Abfällen und der Hersteller bietet an, dass er das Produkt zum Ende des Lebenszykluses wieder zurücknimmt. Was dann damit geschieht und ob es (aus hygienischen Gründen) nur noch thermisch verwertet / entsorgt wird, ist unklar. Es kommt zumindest nur ein Material zum Einsatz, wodurch ein mögliches Recycling zumindest nicht erschwert werden sollte.

Ich gehe derzeit nicht davon aus, dass es hier zu einer weiteren Nutzung kommt. Aber das lässt mich auf mein geliebtes Thema “Cradle to Cradle” zu sprechen kommen, denn bei C2C werden Produkte so konzipiert (designed), dass ihre Herstellungsmethoden nachhaltig sind und die verwendeten Materialien entweder komplett recycelt oder kompostiert werden können. Es wäre also interessant, ob sich die Cradle to Cradle-Zertifzierung hier als mögliche Orientierung für diesen Toilettenhocker eignet und ob es da etwas am Herstellungsprozess, der Verpackung, dem Material und weiteren Faktoren noch zu verbessern gibt.

Return & Recycle: Zurückschicken statt im Hausmüll entsorgen. Ein guter Ansatz!

Der Hersteller gibt nämlich an, dass er seinen ökologischen Fußabdruck minimieren möchte. Das beinhaltet auch eine Produktion mit ausschließlich erneuerbaren Energien und einem Herstellungsprozess, bei dem z.B. 96% Wasserdampf dafür sorgen, dass Ressourcen gegenüber der konventionellen Kunststoffverarbeitung eingespart werden. Das ist schon super und auch ein weiterer Grund für den Einsatz des EPP-Materials.

Eine Verbesserung ist sicherlich immer möglich, und ich denke da weniger an ein anderes Material oder eine Untersuchung der Toxizität der verwendeten Stoffe (also auch der Druckertinte in der Verpackung), als vielmehr an das Nutzungszenario. Bisher ist es doch so, dass diese Hocker gekauft und irgendwann in der Tonne mit dem Verpackungsmüll oder im Restmüll entsorgt werden. Vom Hersteller zum Verbraucher zum Müll. Anders wäre es aber, wenn der Hersteller die Hocker nach z.B. 2 Jahren wieder zurücknehmen und recyceln würde (per default). Wieso? Weil man als Konsument die Produkte eigentlich nur nutzen, nicht aber die volle Verantwortung dafür übernehmen möchte. Müll ist eine Frage der Verantwortung, und es wäre besser, wenn man Müll erst gar nicht entstehen lässt. Daher fände ich ein Vertriebsmodell interessant, bei dem so ein Hocker nicht mehr nur verkauft, sondern auch vermietet wird. Sanitation as a service. Und das beinhaltet dann auch solche Dienstleistungen, bei denen das Material irgendwann wieder zum Hersteller zurückkommt und sich der Verbraucher nicht mit dem Müllthema beschäftigen muss.

Einen ähnlichen Ansatz hat man übrigens schon direkt auf die Verpackung geschrieben: “consider sending it back to us by mail so it can be fed back into the material cycle”. Das ist doch wirklich super!

Die relativ umweltfreundliche Produktion finde ich schon sehr gut und auch die Herstellung in Deutschland. Da wird nichts in China hergestellt und folglich auch nicht absurd über den halben Globus verschickt. Die Zustellung meines Hockers erfolgte jetzt über einen Dienstleister in Norddeutschland, der Hersteller selber sitzt in Süddeutschland. Auch da hat man also sinnvoll Lieferketten optimiert und das kann auch schon alles sehr viel zu einer gescheiten Nachhaltigkeit beitragen.

Flyer im Karton

Und sonst so?

Ich finde diesen stuul®-Toilettenhocker total genial, und nicht nur aufgrund der bisher genannten Punkte. Das Design alleine ist schon so gut und durchdacht, da haben sich ein paar Leute mal richtig Gedanken gemacht und nicht einfach nur so einen weiteren Toilettenhocker hergestellt, der dann schön bei Amazon vertrieben wird. Auch ist die Nachhaltigkeit hier kein modisches Beiwerk, um irgendwelche Sinnfluencer mit den richtigen Keywords zu erreichen.  Nein, der Hersteller hat mir am Telefon auf Nachfrage seine Geschichte zum Produkt erzählt und wie es überhaupt dazu kam , dass er (fachfremd) so ein Produkt herstellen wollte. Die Ausgangssituation war dabei ähnlich wie bei mir, also ein sperriger weißer Hocker als Ersterfahrung und der Gedanke, dass man das doch besser machen müsste. Das kostet ja auch einiges und man muss da auch wirklich an sein Produkt glauben, um alleine schon die Gussform für die Hocker in Vorleistung bezahlen zu können. Eine gute Idee haben und sie dann auch umsetzen können, das ist keine Selbstverständlichkeit.

Und jetzt nachdem ich den Hocker in Gebrauch habe, kann ich die Begeisterung nur nachvollziehen. Der Hocker macht Sinn und ist seinen Verkaufspreis absolut wert. Wer das nicht bezahlen möchte, kann auch – wie meine eine Bekannte – weiterhin einen IKEA-Hocker verwenden. Alles möglich. Ich finde dieses System mit den einzelnen Hockern aber viel besser und sinnvoller und freue mich so immer über die Verwendung.

Toilettenbesuche sollten nämlich immer ein positives Erfolgserlebnis sein. Nur so können wir das Thema “gute Sanitärversorgung” gesellschaftlich aufwerten und gerade in einem Land wie Deutschland, wo bei solchen Dingen lieber gespart wird, für ein Bewusstsein sorgen, dass Dinge wie dieser Toilettenhocker wirklich Sinn machen und sich (wie auch die Intimdusche) wirklich lohnen. Es ist Eure Gesundheit und das sollte es einem doch eigentlich wert sein.

Fazit

Für mich überzeugt der stuul®-Toilettenhocker durch mindestens drei Vorteile, die ihn von anderen Toilettenhockern unterscheiden:

  1. Das Design ist sehr gut durchdacht, die Anwendung ist kinderleicht, er lässt sich gut anfassen, gut auseinanderziehen und nach Gebrauch wieder zusammenstecken. Jede Form, jede Kante, jede Oberfläche ist genau so wie sie sein sollte. Beim Gebrauch lässt sich der Toilettenhocker sehr gut nutzen und beim Nichtgebrauch kann er platzsparend verstaut werden. Nichts daran verrät die eigentliche Funktion, wodurch der Hocker auch in Designerbädern zum Einsatz kommen kann.
  2. Die Verwendung von expandiertem Polypropylen (EPP) bei diesem Hocker ist genial und absolut richtig. Es ist eines der besten Materialien für diesen Einsatzzweck. Abwaschbar, griffig, leicht, kompakt, anpassbar, hautfreundlich, nicht toxisch, umweltfreundlicher in der Herstellung als andere Schäume und aufgrund der eingeschlossenen Luft passt es sich der Raumtemperatur an. Durch das Material alleine wirkt der Toilettenhocker nicht wie ein Fremdkörper. Und es steht in verschiedenen Farben zur Verfügung.
  3. Die meisten herkömmlichen Toilettenhocker stehen frontal vor der Toilette. Dadurch können die Beine/Knie nur vor den Körper angezogen werden. Die angestrebte Position der “asiatischen Hocke” kann aber nur dann erreicht werden, wenn die Beine möglichst neben dem Körper angezogen werden. Durch die beiden einzelnen Hocker beim stuul®-Toilettenhocker können beide Füße viel mehr neben dem Körper angewinkelt werden als es bei herkömmlichen Hockern der Fall wäre.

Von mir gibt es volle 5/5 Toilettensterne für dieses Produkt und ich möchte es daher jeder/m nur sehr empfehlen. Man kann den Hocker auch auf Hänge WCs einsetzen (die übrigens laut DIN bis 400kg belastbar sind) und sie können dabei helfen, die Beckenbodenmuskulatur zukünftig zu entlasten. So ein Hocker ist nicht nur etwas für Gesundheitsfreaks, sondern korrigiert ein modernes, oft unterschätztes Problem der Sitzhaltung auf den gängigen Toiletten, die zu weiteren Darm- und Blasenkrankheiten führen können. Diese Toilettenhocker müssten daher eigentlich noch viel verbreiteter sein – und ich hoffe sehr, dass durch so sinnvolle Produkte wie dem stuul® die Akzeptanz erhöht und es selbstverständlicher wird, dass neben der Toilette so ein moderner Toilettenhocker steht, der gut funktioniert und gerne benutzt wird.

stuul®-Toilettenhocker
Website: https://www.stuul.de
Stuul-Shop
Amazon, 49 EUR

Wer Amazon nicht mag, der kann den stuul® derzeit bei Bidelity einzeln oder im Set mit der Bidelity-Intimdusche bestellen. Demnächst soll es wohl auch noch einen eigenen Shop bei stuul® geben.

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Disclaimer: Ich habe diesen Toilettenhocker vom Hersteller zu Testzwecken zur Verfügung gestellt bekommen und schreibe hier meine private Meinung als Sanitärblogger rein. Daher empfinde ich es auch als folgerichtig, wenn ich hier dieses Produkt für den Einsatzweck so sehr empfehlen mag. Es ist aus meiner Sicht das derzeit beste Produkt am Markt in diesem Bereich.

Wenn man derzeit nach passenden Testberichten googelt, landet man meistens nur auf sog. Nischenwebsites, bei denen Amazon-Rezensionen zusammenkopiert und die Google-optimierten Suchergebnisse mit Affiliate-Links versehen wurden. Aus meiner Sicht bieten solche Klickstrecken keine richtigen Übersichten, da sie nur monetären Zwecken dienen und inhaltlich oft nur wenige, belastbare Aussagen zum Produkt zusammentragen. Ich möchte mich davon abgrenzen, habe hier im Text aber auch Affiliate-Links eingebaut. Wer seinen stuul®-Toilettenhocker über die o.g. Amazon-Links bestellt, beschert mir ein paar geringe Einnahmen. Vielen Dank!

Update 1

Weil mich zwei Personen zum Loch in der Mitte des Toilettenhockers gefragt haben: Das ist ein Griff, damit man den Hocker besser greifen kann. Man setzt sich nicht auf den Stuhl drauf und zielt nicht durch das Loch, sondern nutzt den Toilettenhocker als Standfläche für die Füße, damit diese möglichst seitlich neben dem Körper angewinkelt werden können.

Yes, you’re welcome!

So und nicht so.

Bidetlity – die portable Intimdusche im Test

 

Bidetlity-2
Der Lieferumfang der Bidetlity: Karton, Beutel, Flasche, Sprühkopf, Anleitung

Dieser Tage schrieb mich der Hersteller einer portablen Intimdusche an und frug, ob ich nicht mal sein Produkt testen möge. Natürlich möchte ich das! Und zwar nicht nur, weil ich hier als Blogger über Themen der Sanitärversorgung berichte, sondern weil ich in 2017 auch die Crowdfunding-Kampagne eines Mitbewerbers („HappyPo”) unterstützt hatte und sich der fortlaufend aktualisierte Test über diese mobile Dusche als immer noch sehr beliebt erweist. Es sind ja auch sehr sinnvolle Produkte, die ein großes Plus in der Intimhygiene ermöglichen.

BIDETLITY – Sustainable Self-Care

Ein Plus ist auch die gute Verpackung, die sich gegenüber dem Mitbewerber unterscheidet und umweltfreundlicher daherkommt:

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In der Box befinden sich neben der Gebrauchsanleitung und aufgedruckter Informationen ein Beutel aus grobem Leinen, die bewegliche Flasche und ein gebogener Sprühkopf. Oh, das muss ich sogleich ausprobieren!

Gerade im direkten Vergleich beider “Poduschen” kann man nämlich besser erkennen, auf welche Art und Weise beide Duschen punkten können, und das mag auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich sein. Das reicht von der Befüllbarkeit über den Wasserstrahl hin zur Portabilität – aber auch zu externen Kriterien wie der vom Hersteller beworbenen Nachhaltigkeit.

Die Nachhaltigkeit

In den letzten Tests über die HappyPo und den bideo Toilettenpapierhalter mit Befeuchtungsfunktion schrieb ich ja schon, wie hygienischer die feuchte Intimreinigung im Gegensatz zu nur Toilettenpapier ist. Oder würdet Ihr Euch Vogelkot auf dem Arm auch nur abwischen und nicht abwaschen? Eben, und so ist das auch mit den Intimzonen, in denen die Reinigung mit Wasser eigentlich immer zu bevorzugen ist. Natürlich kann auch noch Papier zum “Trocken- und Kontrollwischen” zum Einsatz kommen, weil wohl niemand mit einem feuchten Bobbes in die Unterhose schlüpfen mag. Aber es wird halt viel weniger verbraucht! Und zur Trocknung reichen übrigens auch ein (auswaschbares) Handtuch oder Waschlappen. Ich kann mir da keine nachhaltigere Intimreinigung vorstellen.

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Eine Kurzanleitung ist auch auf der Verpackung abgedruckt.

Als wir in der Corona-Pandemie diese Hamsterkäufe beim Toilettenpapier erlebt hatten, stellte sich die feuchte Reinigung auch als wunderbare Alternative heraus. Ein feuchter Waschlappen oder eben so eine Intimdusche sind die perfekte Alternative oder auch Ergänzung zum Toilettenpapier. Und ich bezeichne sie bewusst als Intimduschen und nicht (nur) als Poduschen, auch wenn diese Bezeichnung für das  Marketing eleganter erscheint.

Auch muss dazu erwähnt werden, dass selbst beim Toilettenpapier noch sehr viel Optimierungsbedarf ist und es nach meinem Kenntnisstand bisher nur ein (1) nach Cradle-to-Cradle zertifiziertes Toilettenpapier gibt, das für mein Verständnis von Nachhaltigkeit die wesentlichen Punkte abdeckt.

Direkt auf der Verpackung der Bidetlity steht der Hinweis, dass pro verkauftem Bidet 5 Bäume gepflanzt werden, dass der Duschkopf aus Bio-Kunststoff (PLA) besteht und dass alle Materialien BPA-frei sind. Das mit den Polymilchsäuren (PLA) ist schon eine sehr feine Sache, da für die Herstellung keine Erdöl-basierten Polymere verwendet werden.

Bidetlity Anleitung
Im Lieferumfang der Bidetlity befindet sich eine kleine Anleitung.

Auf der Website der Bidetlity wird eine Menge von 15kg Toilettenpapier erwähnt, die in Deutschland pro Kopf und pro Jahr verbraucht werden. Und dass es wohl 93 Rollen entspräche, was ich nachvollziehbar finde. Interessante Zahlen, die mir auch noch nicht so bewusst waren. Es ist schon eine krasse Menge an Müll, die wir durch die Kanalisation jagen. Ich möchte an dieser Stelle auch noch erwähnen, dass eine funktionierende Kanalisation und Abwasserreinigung in der Kläranlage auch keine Selbstverständlichkeiten sind und dass eine feuchte Analreinigung (aber eben nicht feuchte Reinigungstücher!) dabei helfen kann, die Reinigungsleistung auf den nachgeschalteten Anlagen (sofern vorhanden) zu optimieren. Am Ende landet es nämlich alles in der Umwelt, verursacht Wartungskosten und es ist verwunderlich, dass wir uns mit der feuchten Analreinigung hierzulande noch so schwer tun. Alleine finanziell schon lohnt sich die feuchte Reinigung viel mehr für uns alle!

Design

Die Bidetlity Intimdusche ist eine weiche, gummiartige, bauchige Flasche mit Sprühkopf zum Einschrauben. Über den abgeschraubten Sprühkopf lässt sich die Flasche – idealerweise mit lauwarmem – Wasser befüllen und der Sprühkopf kann dann teils eingesteckt und teils festgeschraubt werden. Durch das weiche Material des Behälters kann der Sprühkopf direkt bis Anschlag eingesteckt werden, was bei dem festen Gewinde der HappyPo nicht möglich ist. Der Sprühkopf muss dann aber auf jeden Fall auch noch festgedreht werden, weil sonst Wasser am Gewinde herausspritzt. Auch hat der Behälter eine Schlaufe, die zugleich als Dichtmaterial dient und dranbleiben muss. Diese Schlaufe dient ansonsten einerseits dazu, den Behälter im aufgerollten Zustand transportabel zu machen, andererseits kann man den Behälter so überall aufhängen.

Bidetlity-aufgerollt
Die Bidetlity im aufgerollten Zustand. Habe ich nur fürs Foto gemacht, finde ich nicht so praktisch.

Der Boden beider Behälter ist flach, so dass sie befüllt und ungefüllt senkrecht stehen. Die Bidetlity nimmt dabei etwas mehr Raum ein, aber sie hat auch viel mehr Volumen als meine HappyPo (die immerhin schon Version 2.0 ist, also nicht mehr die Version 1.0 aus dem Crowdfunding in 2017). Die HappyPo gäbe es zwar auch in einer größeren XL-Version, ABER!!! die passt bei mir nicht unter den Wasserhahn! In der Toilette gibt es hier nämlich nur ein kleines Waschbecken mit kaltem Wasser und geringem Abstand zwischen Becken und Wasserhahn. Das ist vielleicht auch bei einigen anderen Nutzerinnen der Fall, weswegen die Bidetlity hierbei gegenüber der HappyPo punkten kann.

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Die Bidetlity kann man sich direkt ins Bücherregal stellen!

In Zahlen: Die normale HappyPo bietet Platz für (gemessen) 280ml Wasser, deren XL-Version 480ml und diese Bidetlity gemessen 435ml. Diese 435ml sind für mich die ideale Menge. Aber das ist nicht alles: Der Behälter drückt sich gut, und vielleicht ist er ob seiner Größe nicht für alle Hände geeignet, dafür ist er aber weicher. Gibt es das optimale Design für so einen Behälter? Im Grunde kann das nur ein längerer Gebrauchstest zeigen, also wie sich Gewinde und Benutzbarkeit auf Dauer im Gebrauch verhalten.

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Das Design braucht sich nicht zu verstecken.

Benutzung

Die Einfüllöffnung ist bei beiden Intimduschen ungefähr gleich groß, und diesen Punkt erwähne ich deshalb, weil mir ein Leser seinerzeit zur HappyPo schrieb, dass ihm diese Öffnung zu klein sei und er eigentlich auch ein Sichtfenster für den Füllgrad vermisse. Letzteres vermisse ich eigentlich weniger, aber die sich verjüngende Öffnung befüllt am besten ein dünnerer Wasserstrahl, weil durch einen stärkeren Wasserstrahl sonst nicht genügend Luft aus den Behältern entweichen kann. Wohl dem, der das mit seinem Wasserhahn gut dosieren kann. Ich erwähne das auch deswegen so detailliert, weil unnötiges Gespritze mit Wasser vermieden werden soll und mir einige BenutzerInnen immer wieder berichten, dass sie die feuchte Analreinigung deswegen so abstoßend finden, weil sie “bloß kein Wasser am Hintern” spüren wollen. Da sollte also schon die Befüllung unter dem Wasserhahn gut klappen und das tut sie bei beiden Modellen unterschiedlich gut. Im Handling macht das die Bidetlity bei mir besser, einfach weil sie kürzer ist und besser unter den Wasserhahn passt. Aber das ist eine sehr subjektive, lokale Erfahrung.

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Die Einfüllöffnung ist bei beiden Behältern ungefähr gleich groß.

Und jetzt kommen wir zum wichtigsten Punkt überhaupt: Dem hydraulischen Verhalten der Flüssigkeit im Behälter auf dem Weg zum Sprühkopf. Darin unterscheiden sich beide Poduschen nämlich erheblich, und ich möchte es hier ganz klar festhalten: Aus der Bidetlity kommt ein feiner, fast laminar strömender Strahl, der – zu Testzwecken über der Badewanne gehalten – auch schon im senkrechten Strahl bis an die Decke gehen kann. 50-70cm Sprühhöhe sind da bei mir locker drin. Das ist dann schon gut und aus meiner Sicht auch besser als bei der HappyPo. Wieso? Weil bei der HappyPo das Wasser zwar auch gut rausgeschossen kommt, aber halt wild in viele Richtungen spritzt. Der Strahl ist breiter, deckt mehr Fläche ab, was aber vielleicht gar nicht immer so gewünscht ist. Eignet sich daher eher für kleinere Abstände im Intimbereich. Bei der HappyPo hatte ich das seinerzeit noch nicht kritisch gesehen, aber jetzt im direkten Vergleich der beiden Behälter finde ich das Sprühverhalten der Bidetlity besser, da zielgenauer und für mich damit effektiver und irgendwie auch angenehmer. Eine feiner Strahl wie bei einer Munddusche, aber ohne diesen pulsierenden Druck.

Bidetlity Sprühverhalten
Das gerade Sprühverhalten der Bidetlity.

Und jetzt noch etwas, das ich bisher nie erwähnt hatte: Von welcher Seite aus reinigt man (m/w/d) sich den Intimbereich? Von vorne? Als Mann muss man dafür den Hodensack anheben, kommt dann aber besser ran. Und wie ist das bei Frauen? Das ist schon eine interessante Fragestellung, denn das Benutzerverhalten hat ja immer einen großen Einfluss auf die Akzeptanz eines Designs, und bei der Bidetlity ist der Sprühkopf im vorderen Bereich um mehr als 90° umgebogen. Hier fände ich es also noch interessant, wenn beide Hersteller unterschiedlich gebogene Sprühköpfe anbieten würden – einfach weil der Winkel vielleicht nicht allen NutzerInnen entgegenkommt. Schlussendlich sind es alles erklärungsbedürftige Produkte, weil das erlernte Verhalten oft nur die Reinigung mit trockenem Toilettenpapier vorsieht und es sicherlich jede Person anders machen wird.

HappyPo Sprühverhalten
Das Sprühverhalten der HappyPo mit einem breiteren Strahl, auch bedingt durch größere Löcher. Eignet sich eher für nahe Abstände.

Und sonst so?

Meine 2. HappyPo ist jetzt auch schon 3 Jahre alt und hat eine angegriffene Oberkante am Gehäuserand. Ob das bei der Bidetlity auch so sein wird und ob das flexible Gewinde den Sprühkopf sicher festhalten kann, wird sich wohl eher nach längerem Test richtig zeigen (und hier dann nachgetragen). Für mich sind diese Geräte aber auch Gebrauchsgegenstände, die benutzt werden und dann einfach irgendwann erneuert werden müssen. Fertig. Wenn sie zwei Jahre im täglichen Gebrauch halten und vor allem die Intimhygiene verbessern, sind sie aus meiner Sicht jeden Euro wert und gehören in fast jedes Badezimmer. Die HappyPo wurde übrigens auch schon in der Spülmaschine bei 65°C mitgewaschen.

Die Bidetlity, die mir für diesen Test freundlicherweise von Lucius von Bidetlity zur Verfügung gestellt wurde, werde ich jetzt aber öfter nutzen als die HappyPo. Das Sprühverhalten und das gelungene Design des Sprühkopfes überzeugen mich einfach. Auch den Winkel des Kopfes finde ich gut, wodurch der Kopf im nassen Zustand auch besser demontierbar ist. Er ist einfach griffiger als das runde Flutschding von der HappyPo (die deswegen an der unteren Seite eine Kerbe hat, um griffiger zu sein).

HappyPo und Bidetlity
Zwei Poduschen im direkten Vergleich: Die HappyPo vs. Bidetlity. Deutlich zu erkennen: Die Verfärbungen auf dem Behälter der HappyPo. Hmmm.

Und mir sind hier fast am Ende auch noch zwei Dinge aufgefallen, als ich beide Intimduschen nochmal über dem Waschbecken ausprobiert habe:

1. Ich vermute, dass man die Bidetlity in ihrer Haptik viel eher kleinen Kindern in die Hand drücken kann, die mit dem weichen Material und dem groben Gewinde besser zurechtkommen als mit der HappyPo, die vergleichsweise starr ist. Da kann dann auch mal der Behälter herunterfallen. Einzig die Größe könnte für Kinderhände vielleicht zu groß sein, aber das kann ich leider nur vermuten, nicht praxisnah beurteilen. Die Bidetlity wirkt auf mich einfacher zu benutzen. Haptik und Design laden zur Benutzung ein.

2. Der Wasserstrahl bei der Bidetlity ist optimal. Wieso? Egal wie sehr die Flasche befüllt ist, egal in welchem Winkel man die Flasche hält, es kommt immer ein gleicher Strahl Wasser raus. DAS!!!!!!!!! macht den großen Unterschied für mich aus und vereinfacht das Handling ungemein.

Nachhaltigkeit, Transportierbarkeit, Größe – das sind alles Dinge, die ich zusätzlich gut finde. Aber richtig wichtig ist mir, dass ich die Flasche gut befüllen kann und dass aus ihr in jedem Winkel ein guter, gleichmäßiger Strahl Wasser kommt. Und das macht die Bidetlity für mich wesentlich besser als die HappyPo.

Beide Intimduschen verfügen übrigens über 9 kleine Löcher am Sprühkopf. Aber mit unterschiedlichen Öffnungen und Öffnungswinkeln, die den Unterschied ausmachen. Ich hätte beim Anblick des Sprühkopfes bei den Produktbildern nicht für möglich gehalten, dass es da in der Praxis so einen Unterschied geben kann. Und daher ist so ein Praxisvergleich gar nicht verkehrt.

Bidetlity aufgehängt
Die praktische Halterung der HappyPo missbraucht für die Bidetlity. Aber so ist die Dusche in Griffweite und hängt hier bequem am Spülkasten, wo das Wasser heruntertropfen kann.

Fazit

Die Bidetlity ist eine gute Intimdusche mit einem konstanten Wasserstrahl, egal wie der Behälter gehalten wird. Sie ist gut befüllbar, transportabel, nachhaltig gestaltet und verpackt und lohnt sich für eine verbesserte Intimhygiene. Ist sie besser als die HappyPo, die einige Euro günstiger ist? Aus meiner Sicht ja, sie ist besser und ich werde sie zukünftig auch eher empfehlen. Mich hat der Wasserstrahl bei der Bidetlity überzeugt, denn das Abflussverhalten ist bei vielen Gegenständen im Sanitärbereich von großer Bedeutung. Wo Flüssigkeiten spritzen, sollen sie möglichst zielgerichtet wirken und geordnet (ab)fließen. So möchte es der Ingenieur und so wünschen es sich sicherlich auch viele NutzerInnen: Die Stoffströme in geordnete Bahnen lenken und möglichst keine Sauerei verursachen. Das geht mit dieser Intimdusche recht gut und so kann ich sie nur jedem/r NutzerIn wärmstens ans Herz legen: Kauft Euch so eine Dusche, ihr werdet es nicht bereuen!

Die Bidetlity findet ihr beim Hersteller ab ca. 26 EUR oder bei Amazon für einen ähnlichen Preis. Sie ist derzeit etwas teurer als die HappyPo, aber aus meiner Sicht ist sie den Aufpreis wert.

Bonus

Stuul Bidelity
“stuul®, Charcoal” Quelle: https://bidetlity.de/products/stuul%C2%AE

Und dann ist mir auf der Website von Bidetlity noch etwas ins Auge gesprungen, das ich auch sehr gerne mal testen würde: Zwei einzelne Toilettenhocker, die so designt sind, dass sie bei Nichtgebrauch zusammengeschoben werden können. Natürlich hatte ich hier auch schon über Toilettenhocker geschrieben und nicht zuletzt seit der Squatty Potty-Kampagne in 2015 (!) mit dem Eiscreme-herausdrückenden Einhorn oder dem viel gefeierten Buch “Darm mit Charme” ist die richtige Sitzhaltung beim Defäkieren viel diskutiert worden. Diese Dinger machen einfach Sinn, sind aber meistens irre sperrig. Meiner stand ein Jahr lang unbeliebt im engen Toilettenraum, seit 2018 eigentlich nur noch im Keller. Und da kann ich mir vorstellen, dass so zwei einzelne, stapelbare Schemel viel praktischer in der Benutzung sind. Gibt es auch in deren Shop!

Update, ein halbes Jahr später

Die Bidetlity hat bei mir die Podusche von HappyPo komplett verdrängt. Die 435ml Füllmenge ist weiterhin optimal, die Podusche lässt sich komfortabel befüllen und angenehm nutzen. Man muss sie auch nur 1x befüllen, das reicht schon locker für eine gute Reinigung. Ich kann sie jeder Person daher nur sehr empfehlen. Es lohnt sich. Und was sich auch sehr, sehr, wirklich sehr lohnt, dass sind diese beiden Toilettenhocker-Schemel aus dem Bild oben, die ich Mitte des Jahres auch noch getestet hatte. Diesen “stuul”-Toilettenhocker verwende ich mittlerweile jeden Tag und empfinde die Kombination aus diesen Toilettenhockern und der Bidetlity als optimal.

We put the men in menstruation… (DE)

Frauen, die Männer dafür verantwortlich machen, dass das schöne Thema „Menstruation” nicht den gleichen Stellenwert erreicht hat, wie andere Themen, die viel selbstverständlicher und öffentlicher diskutiert werden.

Menstrual Hygiene Day is celebrated on May 28th around the world.

Das ist es im Grunde, was mich als Mann und Aktivist im Bereich des Menstrual Hygiene Mangements in der Diskussion immer so stört. Dass Frauen gerne über ihre Menstruation und verschiedene Hygieneprodukte reden möchten (oder auch nicht), dann aber Schwierigkeiten damit haben, wenn Männer davon erfahren und/oder sich auch zu dem Thema äußern (auch wenn sie keine Ahnung haben). Oder die Frauen die Männer gar für die Gesamtsituation verantwortlich machen. Oder aber in den sozialen Medien Bilder ihrer Menstruationstassen veröffentlichen (yay!) und dann alle Männer regelmäßig in einen Sack stecken, weil sich ein paar unreife Exemplare meines Geschlechts darüber aufregen. Continue reading “We put the men in menstruation… (DE)”

Washlet-Toiletten Dusch-WCs

Dusch WC aller Anbieter auf der ISH 2016
Dusch WC Kataloge aller Anbieter auf der ISH 2015

Toiletten(sitze) mit eingebauter Dusche zur Analreinigung, sog. Washlet-Toiletten oder auch “Dusch-WC” genannt, sind dank globalisierter Trends in den letzten Jahren in Mode gekommen – und sind hierzulande noch lange nicht so populär, wie sie es eigentlich sein könnten. Im Internet gibt es seit ca. 2016 verstärkt Infos zum Thema Dusch-WC, wobei es in Deutschland mindestens 10 Marken mit einer Vielzahl an eigenen Modellen gibt.

Wie in den englischsprachigen Beiträgen auf diesem Blog bisher erwähnt, sehen wir WASH (WAter, Sanitation, Hygiene)-Ingenieure vor allem die Seite der Verfahrenstechnik, während sich der Nutzer eher für die Schnittstelle interessiert: Für die Toilette mit sauberen Oberflächen im Toilettenraum, die ein Wohlbefinden erzeugen. Schließlich verbringt man einen erheblichen Teil seines Lebens auf dem Toilettensitz, daher ist es verständlich, wenn in diesem Bereich für etwas Luxus gesorgt wird.

Ein wesentlicher Grund für die Reinigung des Hinterns mit Wasser ist die verbesserte Hygiene. Oder würde man sich – statt zu Duschen – den Körper lieber mit Papier abreiben? Wohl kaum. Schon die alten Römer benutzten an Stöcken befestigte Meeresschwämme (tersorium), um sich damit den Hintern abzuwischen. Und wenn der Großteil der Weltbevölkerung die Nassreinigung bevorzugt, kann das System so falsch nicht sein. Nur vielleicht anfangs etwas ungewohnt.

Dusch-WC sind nicht nur ein Trend wie Badezimmerspiegel mit integrierten LEDs, sondern ein ernsthafter Beitrag zur Körperhygiene. Viele auf dem deutschen Markt mittlerweile angebotenen Modelle verfügen über eine Hilfsmittel-Nr und können bei entsprechender Verordnung über die Krankenkasse abgerechnet werden. Grund genug also, sich das Thema etwas genauer anzuschauen. Continue reading “Washlet-Toiletten Dusch-WCs”

Gedanken zum Welttoilettentag 2016

The following blog post is in German only, and covers some thoughts and activities on World Toilet Day 2016.

Wenn man in Deutschland zum Arzt geht, bekommt man oft nur Leiden diagnostiziert, für die es in der Gebührenverordnungen der Ärzte eine Abrechnungstabelle gibt. Ähnlich verhält es sich aus meiner Sicht mit den Toilettensystemen, die zur Auswahl stehen und dann oftmals nur aus Kostengründen zum Einsatz kommen. Aber der Reihe nach:

Der Frankfurter Welttoilettentag 2016

Die Pressekonferenz beim Welttoilettentag 2016 im Zukunftspavillon in Frankfurt am Main
Die Pressekonferenz beim Welttoilettentag 2016 im Zukunftspavillon in Frankfurt am Main

Für den Welttoilettentag 2016 hatte ich mich dieses Mal mit zwei Frankfurter Unternehmern zusammengetan, die mich aufgrund meines Leserbriefes zu den Toiletten in Frankfurt kontaktiert hatten. Wir Drei haben eine Arbeitsgruppe gebildet und möchten uns in Frankfurt für mehr und für bessere öffentliche Toiletten einsetzen, die man gerne benutzt und bei Bedarf auch jederzeit sauber und offen vorfindet. Jetzt in 2016 ist das leider noch nicht der Fall, es gibt einfach zu wenige Toiletten, und die relativ wenigen Toiletten entsprechen auch noch nicht dem Standard, den man sich als Nutzer bei einer öffentlichen Toilette wünscht (siehe: FNP1, FNP2, FR, RTL, Hessenschau). Dazu kommt, dass die Versorgung mit öffentlichen Toiletten für die Städte nach meinem Kenntnisstand keine verpflichtende Maßnahme ist (im Gegensatz zu Toiletten in Arbeitsstätten). Aus Sicht der meisten Städte verursachen öffentliche Toiletten vor allem Kosten und müssen ständig gewartet werden. Und das stimmt leider auch, weil jede Toilette nur so gut ist wie ihre Reinigung und Wartung – ein sich komplett selbst-reinigendes System gibt es bisher noch nicht. Ebenso ist es so, dass es in Frankfurt verwaltungsrechtliche und historische Gründe gibt, wieso die Zuständigkeiten für die Toiletten noch auf verschiedene Ämter verteilt sind. Alles keine leichte Ausgangssituation für den neuen Stadtrat, der hier eine Verbesserung versprochen hat.  Continue reading “Gedanken zum Welttoilettentag 2016”