We put the men in menstruation, but you women need to talk about it

Frauen, die Männer dafür verantwortlich machen, dass das schöne Thema „Menstruation” nicht den gleichen Stellenwert erreicht hat, wie andere Themen, die viel selbstverständlicher und öffentlicher diskutiert werden.

Menstrual Hygiene Day is celebrated on May 28th around the world

Das ist es im Grunde, was mich als Mann und Aktivist im Bereich des Menstrual Hygiene Mangements in der Diskussion immer so stört. Dass Frauen gerne über ihre Menstruation und verschiedene Hygieneprodukte reden möchten (oder auch nicht), dann aber Schwierigkeiten damit haben, wenn Männer davon erfahren. Oder diese gar dafür verantwortlich machen. Oder aber in den sozialen Medien Bilder ihrer Menstruationstassen veröffentlichen (yay!) und dann alle Männer regelmäßig in einen Sack stecken, weil sich ein paar unreife Exemplare meines Geschlechts darüber aufregen.

Letztes Jahr war ich bei einem BarCamp, und eine Session ging um das Thema Menstruationstassen. Ich finde das super und sehe ein themenneutrales BarCamp als den perfekten Ort dafür. Ich hatte das sogar getwittert und sofort einen saudoofen Kommentar einer Frau bei Twitter erhalten, die wohl dachte, ich würde mich nur ironisch freuen. In der Session waren wir ca. 6 Personen, ich war der einzige Mann vor Ort. Diese wenigen Frauen (von vielen TeilnehmerInnen des BarCamps) hatten das Thema dann aber eifrig diskutiert und so kamen wir auch auf die unterschiedlichen Größen bei den Tassen zu sprechen und was es da noch so für Aufklärungsbedarf gibt. Die Zeit wurde gut genutzt und wahrscheinlich hätten wir noch länger darüber sprechen können.

Die Menstruationstassen sind ja zuerst über ein paar Projekte in den Entwicklungsländern populär geworden, weil sie nachhaltiger sind und weniger kosten als Einwegprodukte. Ich erinnere mich da vor allem an den Rubycup aus Dänemark, der über dieses “Buy One, Give One” populär wurde. Das Hauptproblem bei den Tassen ist (aus meiner Sicht) derzeit noch, dass es zwar Blogposts zum Thema gibt, es aber immer wieder offene Fragen gibt, die wohl nur durch Ausprobieren (also auch durch den Kauf) gelöst werden können. Das betrifft zum Beispiel die Tassengröße oder die Frage, ob das eigene Schamgefühl bereit ist für so einen Systemwechsel.

Jetzt in 2018 gibt es dankenswerterweise schon einige schöne Initiativen, die sich mit dem Themenkomplex befassen und der Aktivismus ist nicht nur auf ein paar Entwicklungsländer beschränkt, wo die monatliche Regelblutung in der Gesellschaft noch viel stärker tabuisiert wird. Aber auch dort gilt, genauso wie in Europa – und das ist mein Hauptwunsch bei allem: Frauen müssen darüber reden. Dürfen es nicht tabuisieren. Was die Männer davon denken oder halten ist erstmal egal, und ich behaupte jetzt auch einfach mal, dass wir Männer eigentlich keine richtige Ahnung davon haben, weil wir es nicht selber erleben, sondern nur die Auswirkungen davon passiv spüren und eigentlich nur das wissen, was uns die Frauen davon erzählen. Natürlich gibt es auch ein paar Freaks wie mich, die das aus beruflichen Gründen interessant finden, aber ganz ehrlich: Es gibt auch Männerthemen, die Frauen nicht die Bohne interessieren. Und es auch gar nicht weiter wissen möchten. Ist halt so, damit müssen wir wohl leben und es ist ja auch nicht so schlimm. Aber Männer sind halt nicht (alleine) dafür verantwortlich, dass das Thema in all den Jahrhunderten so tabuisiert wurde. Sondern eben auch Frauen. Und die ändern das jetzt.

Dieser Tage habe ich zwei interessante Projekte entdeckt:

The Red Tent

Die Mädels hinter der “Kreativagentur goalgirls” haben eine Crowdfunding-Kampagne namens “The Red Tent” ins Leben gerufen, bei der sie „ein Festivalzelt für die Periode” anbieten möchten. Weiters heißt es dort „Hier können sich menstruierende Festivalbesucher kostenfreie Periodenprodukte abholen, an Workshops teilnehmen, Bloody Marys trinken und gemeinsam menstruieren. Die ‘Red Tent Bewegung’ ist Teil einer Kampagne für die offenen Integration des weiblichen Zyklus in den Alltag.” Ich finde das wunderbar und freue mich, wenn das Funding dafür klappt!

Die Thematik mit den “kostenfreien Periodenprodukten” habe ich auch schon öfter durchgekaut, und ich bin da etwas unentschlossen. Das betrifft auch die Besteuerung der Hygieneprodukte durch die Mehrwertsteuer und ihre unterschiedlichen Aufschläge. Ich würde mir wünschen, dass wir der Sanitärversorgung im Allgemeinen einen ganz anderen Stellenwert geben und darüber dann auch die Kosten für Toilettenpapier, Poduschen, “Periodenprodukte” usw. als Gesellschaft neu überdenken. Aber man kann natürlich Forderungen stellen und ohne solche Forderungen wird es nie ein Weiterkommen in der Problematik geben. Ich finde es beispielsweise auch ungerecht, dass Frauen bei den Krankenkassenbeiträgen höher abgezockt werden als wir Männer.

Menstruation Museum Europe

Das Menstruation Museum Europe habe ich bei Instagram entdeckt, es befindet sich als pop-up Installation in Amsterdam und dreht sich nur um das Themenfeld Menstruation. Stigmata, Tabus und Wissenslücken werden in der Beschreibung des Museums als Grund angegeben, wieso es vielen Teilen der Welt zu einer schlechten Menstrualhygiene kommt.


Die Kollektion des Museums umfasst über 100 historische Objekte zum Thema Menstruation, aus den letzten 160 Jahren. Die Macher*innen des Museum sammeln weiter Ausstellungsstücke und bitten um weitere Sachspenden aus anderen Kulturkreisen, die derzeit noch unterrepräsentiert sind. Derzeit wird nach einem festen Ort gesucht, und trotz dieses pop-up Charakters (= mobile Ausstellung) kann man das trotzdem alles als “Museum” bezeichnen. Ich finde das großartig und möchte mir das gerne mal anschauen.

Diese beiden Projekte als kleiner Hinweis auf all das, was es derzeit gibt. Wenn also in den sozialen Medien mal wieder das Bild einer (unbenutzten) Menstruationstasse gepostet wird oder Körperflüssigkeiten durch eine blaue Flüssigkeit symbolisiert werden, dann kann man da ganz entspannt reagieren und sich darüber freuen, dass sich die Gesellschaft nach all den Jahren Menstruation vielleicht mal etwas weiterentwickelt. So wie wir jetzt auch viel selbstverständlicher über die feuchte Analreinigung (“Poduschen”) sprechen. Aber das ist ein anderes Thema…

Review: Die happypo Po-Dusche

Waschen statt nur Wischen. Was sich auf den ersten Blick etwas seltsam anhört, macht eigentlich schon sehr viel Sinn: Statt nur mit trockenem Toilettenpapier oder Feuchttüchern, reinigen wir uns den Hintern fortan primär mit einem Wasserstrahl und wischen dann nochmal trocken.

happypo Set

Das happypo-Set aus der Crowdfunding-Kampagne im Frühjahr 2017.

Die Mehrheit der Weltbevölkerung vertraut auf Wasser wenn es um die sog. “feuchte Analreinigung” geht – und das ist gar nicht so falsch. Sauberes Wasser reinigt den Körper sehr viel besser als trockenes Papier. Oder würdet Ihr Euch statt zu duschen auch nur mit Papier abreiben? Eben.  Read more →

IncLOOsion: Students in Berlin demanded the inclusion of 4.5 billion people who have no access to safely managed sanitation

The following is a guest blog post by the German Toilet Organization of which this blog is a supporting member:

Berlin, 29 Nov 2017 – 11th grade students of Berlin’s Kaethe-Kollwitz-School surprised tourists at the city’s Brandenburg Gate with a flashmob and an ensuing “reverse-demonstration” on the occasion of the World Day of People with Disabilities. One student began proclaiming “Toilets save lives” in sign language – over and over again. With each repetition he was joined by more peers. And even passers-by joined in. Afterwards the group orbited Pariser Platz with a reverse demo, walking backwards to draw attention to the fact that not enough progress is being made concerning the issue of inclusive sanitation.

InKLOsion (IncLOOsion): Berlin students in front of the Brandenburger Tor demanded the inclusion of 4.5 billion people who have no access to safely managed sanitation. (src)

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Washlet-Toiletten Dusch-WCs

Dusch WC aller Anbieter auf der ISH 2016

Dusch WC Kataloge aller Anbieter auf der ISH 2015

Toiletten(sitze) mit eingebauter Dusche zur Analreinigung, sog. Washlet-Toiletten oder auch “Dusch-WC” genannt, sind dank globalisierter Trends in den letzten Jahren in Mode gekommen – und sind hierzulande noch lange nicht so populär, wie sie es eigentlich sein könnten. Im Internet gibt es seit ca. 2016 verstärkt Infos zum Thema Dusch-WC, wobei es in Deutschland mindestens 10 Marken mit einer Vielzahl an eigenen Modellen gibt.

Wie in den englischsprachigen Beiträgen auf diesem Blog bisher erwähnt, sehen wir WASH (WAter, Sanitation, Hygiene)-Ingenieure vor allem die Seite der Verfahrenstechnik, während sich der Nutzer eher für die Schnittstelle interessiert: Für die Toilette mit sauberen Oberflächen im Toilettenraum, die ein Wohlbefinden erzeugen. Schließlich verbringt man einen erheblichen Teil seines Lebens auf dem Toilettensitz, daher ist es verständlich, wenn in diesem Bereich für etwas Luxus gesorgt wird.

Ein wesentlicher Grund für die Reinigung des Hinterns mit Wasser ist die verbesserte Hygiene. Oder würde man sich – statt zu Duschen – den Körper lieber mit Papier abreiben? Wohl kaum. Schon die alten Römer benutzten an Stöcken befestigte Meeresschwämme (tersorium), um sich damit den Hintern abzuwischen. Und wenn der Großteil der Weltbevölkerung die Nassreinigung bevorzugt, kann das System so falsch nicht sein. Nur vielleicht anfangs etwas ungewohnt.

Dusch-WC sind nicht nur ein Trend wie Badezimmerspiegel mit integrierten LEDs, sondern ein ernsthafter Beitrag zur Körperhygiene. Viele auf dem deutschen Markt mittlerweile angebotenen Modelle verfügen über eine Hilfsmittel-Nr und können bei entsprechender Verordnung über die Krankenkasse abgerechnet werden. Grund genug also, sich das Thema etwas genauer anzuschauen. Read more →

Gedanken zum Welttoilettentag 2016

The following blog post is in German only, and covers some thoughts and activities on World Toilet Day 2016.

Wenn man in Deutschland zum Arzt geht, bekommt man oft nur Leiden diagnostiziert, für die es in der Gebührenverordnungen der Ärzte eine Abrechnungstabelle gibt. Ähnlich verhält es sich aus meiner Sicht mit den Toilettensystemen, die zur Auswahl stehen und dann oftmals nur aus Kostengründen zum Einsatz kommen. Aber der Reihe nach:

Der Frankfurter Welttoilettentag 2016

Die Pressekonferenz beim Welttoilettentag 2016 im Zukunftspavillon in Frankfurt am Main

Die Pressekonferenz beim Welttoilettentag 2016 im Zukunftspavillon in Frankfurt am Main

Für den Welttoilettentag 2016 hatte ich mich dieses Mal mit zwei Frankfurter Unternehmern zusammengetan, die mich aufgrund meines Leserbriefes zu den Toiletten in Frankfurt kontaktiert hatten. Wir Drei haben eine Arbeitsgruppe gebildet und möchten uns in Frankfurt für mehr und für bessere öffentliche Toiletten einsetzen, die man gerne benutzt und bei Bedarf auch jederzeit sauber und offen vorfindet. Jetzt in 2016 ist das leider noch nicht der Fall, es gibt einfach zu wenige Toiletten, und die relativ wenigen Toiletten entsprechen auch noch nicht dem Standard, den man sich als Nutzer bei einer öffentlichen Toilette wünscht (siehe: FNP1, FNP2, FR, RTL, Hessenschau). Dazu kommt, dass die Versorgung mit öffentlichen Toiletten für die Städte nach meinem Kenntnisstand keine verpflichtende Maßnahme ist (im Gegensatz zu Toiletten in Arbeitsstätten). Aus Sicht der meisten Städte verursachen öffentliche Toiletten vor allem Kosten und müssen ständig gewartet werden. Und das stimmt leider auch, weil jede Toilette nur so gut ist wie ihre Reinigung und Wartung – ein sich komplett selbst-reinigendes System gibt es bisher noch nicht. Ebenso ist es so, dass es in Frankfurt verwaltungsrechtliche und historische Gründe gibt, wieso die Zuständigkeiten für die Toiletten noch auf verschiedene Ämter verteilt sind. Alles keine leichte Ausgangssituation für den neuen Stadtrat, der hier eine Verbesserung versprochen hat.  Read more →