Periodenarmut

Pünktlich zum Menstrual Hygiene Day (#menstrualhygieneday) am 28. Mai 2019 gibt es im Deutschen Bundestag eine Petition, die einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für „Periodenprodukte wie Binden, Tampons und Menstruationstassen” fordert. Die Petition hat kurz vor Schluss die erforderliche Zahl an Unterzeichnern erhalten und so bleibt jetzt abzuwarten, was sich aus diesem Wunsch der Bürger*innen an den Bundestag ergeben wird. Ich habe diese Petition auch unterzeichnet, aber aus einem anderen Grund als in der Petition gefordert.

Bild einer Binde
Gutes Sanitation-Marketing ist die halbe Miete. Hier: Witzige Produkte von Einhorn.

Die Bedeutung der Mehrwertsteuer als hier dienliches Mittel, die tatsächliche Ersparnis durch eine Absenkung der Steuer, andere Sparmethoden und die Verwendung des Begriffs “Luxussteuer” wurde auf einem anderen Blog(post) bereits diskutiert. Auch die dortige Behauptung, dass das Thema im feministischen Umfeld gerne als Unterdrückung wahrgenommen wird, lasse ich mal unkommentiert.

Entschließung 2018/2095(INI)

Es gibt eine Entschließung des Europäischen Parlaments vom 15. Januar 2019 zur „Gleichstellung der Geschlechter und die Steuerpolitik in der EU”, in der unter Punkt 21 der Begriff Period Poverty (Periodenarmut) als Problem anerkannt wird. Entschließungen des EP sind Dokumente, die keine Rechtswirkung haben, aber einen politischen Standpunkt zu einem Thema verdeutlichen sollen. So wird dort u.a. festgestellt, „dass der Nutzen, den junge Frauen aus einer Preisreduzierung infolge einer MwSt-Befreiung dieser Produkte ziehen würden, enorm wäre”. Ob das tatsächlich so stimmt, ob das mit dem deutschen Steuerrecht vereinbar ist, ob die Produkte wirklich günstiger werden und leichter verfügbar sind: Einen Teil dieser Fragen möchte die Petition aus meiner Sicht in den Raum stellen. Ich hoffe sehr, dass nicht bloß nach juristischen Maßstäben geschaut wird und ewige Diskussionen um die Vereinbarkeit mit dem IST-Zustand geführt werden, weil wir so als Gesellschaft überhaupt nicht weiterkommen. Stattdessen sollte überlegt werden, wie die in der Entschließung genannten Punkte bei uns umgesetzt werden könnten.

Das EP „legt den Mitgliedstaaten nahe, an bestimmten (öffentlichen) Orten, z. B. in Schulen, Universitäten und Obdachlosenunterkünften, sowie für Frauen, die aus einem einkommensschwachen Umfeld stammen, zusätzliche Damenhygieneartikel bereitzustellen, um die Period Poverty aus allen öffentlichen Toiletten in der Union vollständig zu verbannen”(Quelle). Manche Menschen können sich diese Notwendigkeit gar nicht so vorstellen, vielleicht weil sie diese Armut selber nicht erlebt haben oder ihre eigenen Methoden gefunden haben, um mit diesen Problemen umzugehen. Oder es kommen die Argumente, dass andere Hygieneartikel im Umkehrschluss dann auch kostenlos abgegeben werden sollten. Ich persönlich hasse den Umkehrschluss und solche Denkmuster, und eine Handlung muss nicht immer zwangsläufig eine andere Handlung bewirken oder ausschließen. Stattdessen könnte man hier einfach mal dem Beispiel Schottlands folgen und in öffentlichen Einrichtungen solche Hygieneartikel zur Verfügung zu stellen. Gar nicht lange diskutieren, sondern einfach mal machen und dann schauen ob es etwas bringt. Mit kostenlosen Kondomen klappt das übrigens auch schon seit Jahren: Die GIZ hat im Rahmen ihrer Gesundheitsaufklärungsprogramme auch jahrelang kostenlose Kondome in den Toilettenräumen öffentlicher Einrichtungen wie Behörden verteilt. Wieso sollte das nur etwas für Entwicklungsländer sein? Nein, genau darum geht es nämlich: Dass es auch bei uns in Europa Menschen gibt, die sich keine Hygieneartikel leisten können, die sich keinen Arztbesuch leisten können, die keine öffentliche Toilette für ihre Bedürfnisse vorfinden und eben all das nicht haben was andere Menschen als Selbstverständlichkeit betrachten. Arme Menschen gibt es auf der ganzen Welt, die Probleme durch eine mangelhafte Sanitärversorgung betreffen alle Menschen auf diesem Planeten.

Das Image ändern

„Und nur, weil es hier in Deutschland keine Studien gibt, heißt das nicht, dass wir nicht auch Periodenarmut haben.“ wird Nanna-Josephine Roloff in einem weiteren Artikel über Periodenarmut zitiert. Ich folge ihr bei Twitter, weil sie sich schon seit einiger Zeit für das Thema einsetzt (beispielsweise über diese Petition bei Change.org) und sicherlich einer der Gründe ist, wieso wir jetzt öffentlich über das Thema diskutieren. Dabei geht es weniger darum, irgendwelche Bilder von benutzten Hygieneartikeln bei Twitter oder Instagram durchzusharen (wie es von den Gegnern immer bemängelt wird, gerade auch von vielen Frauen), sondern die Menstruation als einen ganz normalen Vorgang zu etablieren. Dieser ganze Themenkomplex #Sanitärversorgung ist so vielseitig und mit vielen Ängsten verbunden, die Tabus entstehen lassen. Es wird sich nur etwas ändern, wenn wir als Gesellschaft über diese Dinge offen sprechen und definieren, wie wir diese Probleme lösen oder zumindest optimieren möchten. Genau dazu dient die eingangs erwähnte Petition: Damit wir über Periodenarmut sprechen und sie als Problem wahrnehmen. Damit wir über ungenügende (öffentliche) Toiletten sprechen und das Angebot verbessern. Damit der Themenkomplex einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft bekommt; so wie man sich für 3000+ EUR eine Duschtoilette hinstellt, weil der Wert des täglichen Geschäfts erkannt wurde und der Toilettenbesuch mit einem angenehmen Gefühl verbunden wird. Wenn wir das auch für einen selbstverständlicheren Umgang mit der Menstruation erreichen können, wären wir schon einen großen Schritt weiter.

Young Pupils Demand Clean Drinking Water for All Worldwide

Berlin, March 2019: Young pupils in Berlin demand clean drinking water for all worldwide

According to UNESCO (World Water Report, 2019), 2.1 billion people worldwide have no access to safe drinking water. Berlin school children demonstrated against the global water crisis on the occasion of World Water Day 2019.

Lugging water-filled jerry-cans and presenting self-made hand washing facilities, the pupils demanded “Water for everyone”. Their message was loud and clear: Everyone has a right to access clean and safe drinking water. Poor and marginalised population groups in particular should not be left out. They are the ones suffering most from the global water crisis: people with disabilities, the elderly, indigenous people, but also girls and women, who in many societies are responsible for providing their families with water and travel great distances every day to do so.

At the end of their protest march, the pupils handed over an oversized postcard with their messages to Thilo Panzerbieter, Executive Director of the German Toilet Organization. He presented the students’ demands at a “water stakeholder meeting” in the German Federal Ministry for Economic Cooperation and Development (BMZ) later the same day.

The draft federal budget for 2020 is a disappointment when it comes to investments in development cooperation. These budgetary set-backs will make it impossible to meet international commitments and will inhibit the contributions to the implementation of human rights. On their way to Potsdamer Platz, the pupils therefore stopped in front of the Federal Ministry of Finance to demonstrate for more investment into development cooperation. In times of increasing conflict – also over the increasingly scarce resource of water – BMZ is still regarded as one of the largest donors in the field of water. Precisely these funds are therefore essential for reaching marginalised groups in the fight against poverty and to eliminate major inequalities in the access to water.

The importance of safe drinking water is illustrated by the following figures: over 50 countries are affected by water stress. Causes include climate change, population growth and the drop in groundwater levels caused by prolonged droughts. The United Nations (UN) estimate that water consumption has increased 6-fold in recent years and that available water resources will become increasingly scarce in the future. This has dramatic consequences: People suffer from hunger, agricultural production becomes increasingly difficult and the fight for water leads to armed conflicts. The World Economic Forum considers the global water crisis to be one of the five greatest risk factors for mankind.

one of the signs that provides information on the use of virtual water

The march was initiated by pupils from the Grüner Campus Malchow, the Gemeinschaftsschule on Campus Rütli and the Käthe-Kollwitz-Gymnasium together with GTO. The project is financially supported by the BMZ, by the state office for developmental cooperation of Berlin and by Brot für die Welt. We also thank CWS-boco, who is a long-term supporter of GTO projects.

The event is part of GTO’s development education project “Toiletised World” – initiated in 2009. Within the project, GTO organises one-day workshops at schools and jointly plans events to raise public awareness for development-policy issues with the school children.

(via Germantoilet.org)

We put the men in menstruation, but you women need to talk about it

Frauen, die Männer dafür verantwortlich machen, dass das schöne Thema „Menstruation” nicht den gleichen Stellenwert erreicht hat, wie andere Themen, die viel selbstverständlicher und öffentlicher diskutiert werden.

Menstrual Hygiene Day is celebrated on May 28th around the world

Das ist es im Grunde, was mich als Mann und Aktivist im Bereich des Menstrual Hygiene Mangements in der Diskussion immer so stört. Dass Frauen gerne über ihre Menstruation und verschiedene Hygieneprodukte reden möchten (oder auch nicht), dann aber Schwierigkeiten damit haben, wenn Männer davon erfahren. Oder diese gar dafür verantwortlich machen. Oder aber in den sozialen Medien Bilder ihrer Menstruationstassen veröffentlichen (yay!) und dann alle Männer regelmäßig in einen Sack stecken, weil sich ein paar unreife Exemplare meines Geschlechts darüber aufregen. Read more →

Review: Die happypo Po-Dusche

Waschen statt nur Wischen. Was sich auf den ersten Blick etwas seltsam anhört, macht eigentlich schon sehr viel Sinn: Statt nur mit trockenem Toilettenpapier oder Feuchttüchern, reinigen wir uns den Hintern fortan primär mit einem Wasserstrahl und wischen dann nochmal trocken.

happypo Set

Das happypo-Set aus der Crowdfunding-Kampagne im Frühjahr 2017.

Die Mehrheit der Weltbevölkerung vertraut auf Wasser wenn es um die sog. “feuchte Analreinigung” geht – und das ist gar nicht so falsch. Sauberes Wasser reinigt den Körper sehr viel besser als trockenes Papier. Oder würdet Ihr Euch statt zu duschen auch nur mit Papier abreiben? Eben.  Read more →

IncLOOsion: Students in Berlin demanded the inclusion of 4.5 billion people who have no access to safely managed sanitation

The following is a guest blog post by the German Toilet Organization of which this blog is a supporting member:

Berlin, 29 Nov 2017 – 11th grade students of Berlin’s Kaethe-Kollwitz-School surprised tourists at the city’s Brandenburg Gate with a flashmob and an ensuing “reverse-demonstration” on the occasion of the World Day of People with Disabilities. One student began proclaiming “Toilets save lives” in sign language – over and over again. With each repetition he was joined by more peers. And even passers-by joined in. Afterwards the group orbited Pariser Platz with a reverse demo, walking backwards to draw attention to the fact that not enough progress is being made concerning the issue of inclusive sanitation.

InKLOsion (IncLOOsion): Berlin students in front of the Brandenburger Tor demanded the inclusion of 4.5 billion people who have no access to safely managed sanitation. (src)

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