Händewaschen mit Seife ist Pandemieschutz – in Deutschland und weltweit

Pressemeldung der German Toilet Organization:

Schülerinnen und Schüler beim Gruppenhändewaschen an einer Schule auf den Philippinen
(© GIZ, Fit for School Programm)

Berlin, 21.03.2020 – Die COVID-19 Pandemie greift um sich. Neuartige Viren oder Multiresistente Keime kennen keine Grenzen. Sie entstehen in der Regel dort, wo hygienische Mängel am gravierendsten sind. Obwohl führende Hygieneforscher dem Händewaschen mit Seife im Kampf gegen Pandemien eine ähnliche hohe Bedeutung wie dem Impfen zumessen, haben 36 % der Schulen weltweit keine Handwaschvorrichtungen. Die German Toilet Organization fordert, dass Deutschland die internationale Verantwortung annimmt und das Thema Hygiene auf die Agenda der G7 und ihrer EU Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr dieses Jahres setzt.

Thilo Panzerbieter von der German Toilet Organization erklärt, dass auch in Deutschland die Hygiene nicht mehr den Stellenwert hat, den sie für einen wirkungsvollen Infektionsschutz haben sollte. Laut einer Studie der SRH Hochschule Heidelberg waschen sich nur 38 % die Hände mit Wasser und Seife sowie der erforderlichen Gründlichkeit von 20 Sekunden. In deutschen Schulen fehle Seife und Klopapier. Eine ausreichend hygienische Reinigung von Schultoiletten sei in vielen Kommunen dem Sparzwang zum Opfer gefallen. Schul-Hygienepläne die dem Infektionsschutz dienen sollten, würden in den Schubladen der Schulverwaltung versauern. Da verwundere es nicht, dass Schulschließungen zum Mittel der Wahl gegen die Pandemie werden.

Die GTO wurde vor knapp 15 Jahren gegründet, um die globalen Missstände in der Sanitärversorgung und Hygiene zu bekämpfen, zuerst in Afrika und Asien – seit 2010 aber auch in Deutschland. In der Bundesrepublik sieht die GTO die Politik in der Pflicht, nicht nur auf eine Aufwertung der sanitären Infrastruktur in Schulen zu setzen, sondern die Themen Hygiene und Sanitärversorgung auch regelmäßig im Unterricht zu verankern. In Kooperation mit der Bundesschülerkonferenz und dem Bundeselternrat veranstaltete die GTO bereits zweimal die bundesweiten „Toiletten machen Schule®“ – Wettbewerbe zur Verbesserung der Hygiene und Sanitärversorgung an Schulen. Sie stellt Schulen Handreichungen und Methoden zur Verfügung, um ihre eigene Lage zu verbessern. In Deutschland plant die GTO nun eine wissenschaftliche Erhebung zur Sanitärsituation an Schulen sowie einen nationalen Schultoilettengipfel.

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat die GTO die Schulwettbewerbe auch in Uganda und Pakistan durchgeführt, denn global ist die Situation noch gravierender. Jede dritte Schule weltweit hat keine sichere Schultoilette. Eine rasche Verbreitung von COVID 19, der Grippe und Durchfallerkrankungen wie Cholera und Typhus ist unter solchen Bedingungen unvermeidbar.

Thilo Panzerbieter (Geschäftsführer, German Toilet Organization), Dr. Bella Monse (Beraterin, GIZ – Mitentwicklerin des WASHaLOT 3.0), Norbert Barthle (Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) waschen sich symbolisch die Hände (2018)
© GTO; GIZ, Sektorprogramm Nachhaltige Sanitärversorgung

Die GTO und Entwicklungsexperten der GIZ zeigen, dass die Lösungen simpel sein können und pro Kopf nicht viel kosten müssen. So hat die GIZ mit Finanzierung des Bundesentwicklungsministeriums und mit Wissenschaftlern der FH Potsdam den WASHaLOT 3.0 entwickelt, eine Gruppenhandwaschstation, an der sich bis zu 20 Kinder gleichzeitig die Hände mit Seife waschen können. Dafür ist kein Wasseranschluss nötig. Der Wasserverbrauch könnte dabei auf 150-200 ml pro Kind reduziert werden, womit das WASHaLOT 3.0 auch in wasserarmen Regionen der Welt Anwendung finden kann. Studien haben gezeigt, dass das regelmäßige Gruppenhändewaschen eine erstaunlich effektive Maßnahme ist, um Schülern das Händewaschen beizubringen und als dauerhaftes Verhalten zu verankern. Die GTO ist der Überzeugung, dass in Zeiten der COVID-19 Pandemie Vorrichtungen wie das WASHaLOT 3.0 auch hier in Deutschland für den Pandemieschutz einen wichtigen Beitrag leisten können.

Tipps zum richtigen Händewaschen https://germantoilet.org/de/fortbildung/corona-praevention-haendewaschen-mit-seife

Tipps für Schulen zum Thema Schultoiletten und Hygiene: https://germantoilet.org/de/schulen/toiletten-machen-schule/gut-zu-wissen

Unterrichtsmaterialien für Schulen zu den globalen Themen Sanitärversorgung und Hygiene https://germantoilet.org/de/schulen/klobalisierte-welt-unterrichtsmaterial

„Toilets Making the Grade®“ – Schulwettbewerbe https://germantoilet.org/de/schulen/toilets-making-the-grade

GIZ Factsheet „Group Washing Facility – WASHaLOT 3.0” https://www.susana.org/en/knowledge-hub/resources-and-publications/library/details/2898

#WorldToiletDay: School Pupils in Berlin Demand Safe Sanitation for Everyone Worldwide

the toilet exhibition tent in Berlin (©Wöhlert)

Dressed in suits, Berlin school students publicly demonstrated on the occasion of World Toilet Day 2019. They invited passers-by to a “toilet exhibition tent” at Potsdamer Platz in the heart of Germany’s capital. Inside the tent, a self-built, “inadequate” toilet demonstrated the poor sanitary conditions, which are reality in many parts of the world. Bottles of dirty water were handed out and a toilet-cake was on offer. The message: Toilets can save lives!

The students are highlighting the fact that the global community can only achieve their self-imposed development goals, if they show solidarity with those, who are most affected by the sanitation crisis: the elderly, sick, refugees, children, otherwise marginalised groups and all those affected by disasters who are most affected by the world’s sanitation crisis.

Toilets are an elementary part of human dignity and since 2010 also a human right. It is a scandal that many politicians do not know this and that the states do not act sufficiently, a spokesman for the students explained. The states would only achieve their self-imposed United Nations’ Sustainable Development Goals in the area of sanitation if politics finally got the taboo subject out of the dirty corner. Goal 6 of the United Nations’ Sustainable Development Goals calls for safe toilets, clean drinking water and access to hygiene for all people by 2030.

“If governments and even donor countries like Germany do not start to focus their efforts on those people who are most difficult to reach, we will crash and miss this target,” explains Johannes Rück, spokesman for the German Toilet Organization (GTO). There are still 673 million people without toilets, including the poor, the elderly and the sick, residents of slums, refugees, indigenous people and those affected by disasters. World Bank figures prove that the aid is not reaching these people today: only 6% of the subsidies that flow into water and sanitation in developing countries benefit the poorest 20% of the population.

“Where would you hide?” ©Wöhlert

According to the WHO, access to water, sanitation and hygiene can save the lives of 297,000 children under the age of 5 every year. Washing hands also reduces the risk of diarrhoea by 30 percent. Although the proportion of people with access to safely managed sanitation has risen from 28 to 45 percent in the last 10 years, 673 million people are still defecating in the open – an inhumane situation with serious consequences for public health and the environment. WHO studies further show that increasing investment in access to improved toilets results in low health costs, higher productivity and fewer premature deaths.

The event was part of the development education project “Toiletised World” of the GTO. Within the project, GTO organises one-day workshops at schools and jointly plans events to raise public awareness for development-policy issues with the school children.

Periodenarmut

Pünktlich zum Menstrual Hygiene Day (#menstrualhygieneday) am 28. Mai 2019 gibt es im Deutschen Bundestag eine Petition, die einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für „Periodenprodukte wie Binden, Tampons und Menstruationstassen” fordert. Die Petition hat kurz vor Schluss die erforderliche Zahl an Unterzeichnern erhalten und so bleibt jetzt abzuwarten, was sich aus diesem Wunsch der Bürger*innen an den Bundestag ergeben wird. Ich habe diese Petition auch unterzeichnet, aber aus einem anderen Grund als in der Petition gefordert.

Bild einer Binde
Gutes Sanitation-Marketing ist die halbe Miete. Hier: Witzige Produkte von Einhorn.

Die Bedeutung der Mehrwertsteuer als hier dienliches Mittel, die tatsächliche Ersparnis durch eine Absenkung der Steuer, andere Sparmethoden und die Verwendung des Begriffs “Luxussteuer” wurde auf einem anderen Blog(post) bereits diskutiert. Auch die dortige Behauptung, dass das Thema im feministischen Umfeld gerne als Unterdrückung wahrgenommen wird, lasse ich mal unkommentiert.

Entschließung 2018/2095(INI)

Es gibt eine Entschließung des Europäischen Parlaments vom 15. Januar 2019 zur „Gleichstellung der Geschlechter und die Steuerpolitik in der EU”, in der unter Punkt 21 der Begriff Period Poverty (Periodenarmut) als Problem anerkannt wird. Entschließungen des EP sind Dokumente, die keine Rechtswirkung haben, aber einen politischen Standpunkt zu einem Thema verdeutlichen sollen. So wird dort u.a. festgestellt, „dass der Nutzen, den junge Frauen aus einer Preisreduzierung infolge einer MwSt-Befreiung dieser Produkte ziehen würden, enorm wäre”. Ob das tatsächlich so stimmt, ob das mit dem deutschen Steuerrecht vereinbar ist, ob die Produkte wirklich günstiger werden und leichter verfügbar sind: Einen Teil dieser Fragen möchte die Petition aus meiner Sicht in den Raum stellen. Ich hoffe sehr, dass nicht bloß nach juristischen Maßstäben geschaut wird und ewige Diskussionen um die Vereinbarkeit mit dem IST-Zustand geführt werden, weil wir so als Gesellschaft überhaupt nicht weiterkommen. Stattdessen sollte überlegt werden, wie die in der Entschließung genannten Punkte bei uns umgesetzt werden könnten.

Das EP „legt den Mitgliedstaaten nahe, an bestimmten (öffentlichen) Orten, z. B. in Schulen, Universitäten und Obdachlosenunterkünften, sowie für Frauen, die aus einem einkommensschwachen Umfeld stammen, zusätzliche Damenhygieneartikel bereitzustellen, um die Period Poverty aus allen öffentlichen Toiletten in der Union vollständig zu verbannen”(Quelle). Manche Menschen können sich diese Notwendigkeit gar nicht so vorstellen, vielleicht weil sie diese Armut selber nicht erlebt haben oder ihre eigenen Methoden gefunden haben, um mit diesen Problemen umzugehen. Oder es kommen die Argumente, dass andere Hygieneartikel im Umkehrschluss dann auch kostenlos abgegeben werden sollten. Ich persönlich hasse den Umkehrschluss und solche Denkmuster, und eine Handlung muss nicht immer zwangsläufig eine andere Handlung bewirken oder ausschließen. Stattdessen könnte man hier einfach mal dem Beispiel Schottlands folgen und in öffentlichen Einrichtungen solche Hygieneartikel zur Verfügung zu stellen. Gar nicht lange diskutieren, sondern einfach mal machen und dann schauen ob es etwas bringt. Mit kostenlosen Kondomen klappt das übrigens auch schon seit Jahren: Die GIZ hat im Rahmen ihrer Gesundheitsaufklärungsprogramme auch jahrelang kostenlose Kondome in den Toilettenräumen öffentlicher Einrichtungen wie Behörden verteilt. Wieso sollte das nur etwas für Entwicklungsländer sein? Nein, genau darum geht es nämlich: Dass es auch bei uns in Europa Menschen gibt, die sich keine Hygieneartikel leisten können, die sich keinen Arztbesuch leisten können, die keine öffentliche Toilette für ihre Bedürfnisse vorfinden und eben all das nicht haben was andere Menschen als Selbstverständlichkeit betrachten. Arme Menschen gibt es auf der ganzen Welt, die Probleme durch eine mangelhafte Sanitärversorgung betreffen alle Menschen auf diesem Planeten.

Das Image ändern

„Und nur, weil es hier in Deutschland keine Studien gibt, heißt das nicht, dass wir nicht auch Periodenarmut haben.“ wird Nanna-Josephine Roloff in einem weiteren Artikel über Periodenarmut zitiert. Ich folge ihr bei Twitter, weil sie sich schon seit einiger Zeit für das Thema einsetzt (beispielsweise über diese Petition bei Change.org) und sicherlich einer der Gründe ist, wieso wir jetzt öffentlich über das Thema diskutieren. Dabei geht es weniger darum, irgendwelche Bilder von benutzten Hygieneartikeln bei Twitter oder Instagram durchzusharen (wie es von den Gegnern immer bemängelt wird, gerade auch von vielen Frauen), sondern die Menstruation als einen ganz normalen Vorgang zu etablieren. Dieser ganze Themenkomplex #Sanitärversorgung ist so vielseitig und mit vielen Ängsten verbunden, die Tabus entstehen lassen. Es wird sich nur etwas ändern, wenn wir als Gesellschaft über diese Dinge offen sprechen und definieren, wie wir diese Probleme lösen oder zumindest optimieren möchten. Genau dazu dient die eingangs erwähnte Petition: Damit wir über Periodenarmut sprechen und sie als Problem wahrnehmen. Damit wir über ungenügende (öffentliche) Toiletten sprechen und das Angebot verbessern. Damit der Themenkomplex einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft bekommt; so wie man sich für 3000+ EUR eine Duschtoilette hinstellt, weil der Wert des täglichen Geschäfts erkannt wurde und der Toilettenbesuch mit einem angenehmen Gefühl verbunden wird. Wenn wir das auch für einen selbstverständlicheren Umgang mit der Menstruation erreichen können, wären wir schon einen großen Schritt weiter.

Young Pupils Demand Clean Drinking Water for All Worldwide

Berlin, March 2019: Young pupils in Berlin demand clean drinking water for all worldwide

According to UNESCO (World Water Report, 2019), 2.1 billion people worldwide have no access to safe drinking water. Berlin school children demonstrated against the global water crisis on the occasion of World Water Day 2019.

Lugging water-filled jerry-cans and presenting self-made hand washing facilities, the pupils demanded “Water for everyone”. Their message was loud and clear: Everyone has a right to access clean and safe drinking water. Poor and marginalised population groups in particular should not be left out. They are the ones suffering most from the global water crisis: people with disabilities, the elderly, indigenous people, but also girls and women, who in many societies are responsible for providing their families with water and travel great distances every day to do so.

At the end of their protest march, the pupils handed over an oversized postcard with their messages to Thilo Panzerbieter, Executive Director of the German Toilet Organization. He presented the students’ demands at a “water stakeholder meeting” in the German Federal Ministry for Economic Cooperation and Development (BMZ) later the same day.

The draft federal budget for 2020 is a disappointment when it comes to investments in development cooperation. These budgetary set-backs will make it impossible to meet international commitments and will inhibit the contributions to the implementation of human rights. On their way to Potsdamer Platz, the pupils therefore stopped in front of the Federal Ministry of Finance to demonstrate for more investment into development cooperation. In times of increasing conflict – also over the increasingly scarce resource of water – BMZ is still regarded as one of the largest donors in the field of water. Precisely these funds are therefore essential for reaching marginalised groups in the fight against poverty and to eliminate major inequalities in the access to water.

The importance of safe drinking water is illustrated by the following figures: over 50 countries are affected by water stress. Causes include climate change, population growth and the drop in groundwater levels caused by prolonged droughts. The United Nations (UN) estimate that water consumption has increased 6-fold in recent years and that available water resources will become increasingly scarce in the future. This has dramatic consequences: People suffer from hunger, agricultural production becomes increasingly difficult and the fight for water leads to armed conflicts. The World Economic Forum considers the global water crisis to be one of the five greatest risk factors for mankind.

one of the signs that provides information on the use of virtual water

The march was initiated by pupils from the Grüner Campus Malchow, the Gemeinschaftsschule on Campus Rütli and the Käthe-Kollwitz-Gymnasium together with GTO. The project is financially supported by the BMZ, by the state office for developmental cooperation of Berlin and by Brot für die Welt. We also thank CWS-boco, who is a long-term supporter of GTO projects.

The event is part of GTO’s development education project “Toiletised World” – initiated in 2009. Within the project, GTO organises one-day workshops at schools and jointly plans events to raise public awareness for development-policy issues with the school children.

(via Germantoilet.org)

We put the men in menstruation… (DE)

Frauen, die Männer dafür verantwortlich machen, dass das schöne Thema „Menstruation” nicht den gleichen Stellenwert erreicht hat, wie andere Themen, die viel selbstverständlicher und öffentlicher diskutiert werden.

Menstrual Hygiene Day is celebrated on May 28th around the world.

Das ist es im Grunde, was mich als Mann und Aktivist im Bereich des Menstrual Hygiene Mangements in der Diskussion immer so stört. Dass Frauen gerne über ihre Menstruation und verschiedene Hygieneprodukte reden möchten (oder auch nicht), dann aber Schwierigkeiten damit haben, wenn Männer davon erfahren und/oder sich auch zu dem Thema äußern (auch wenn sie keine Ahnung haben). Oder die Frauen die Männer gar für die Gesamtsituation verantwortlich machen. Oder aber in den sozialen Medien Bilder ihrer Menstruationstassen veröffentlichen (yay!) und dann alle Männer regelmäßig in einen Sack stecken, weil sich ein paar unreife Exemplare meines Geschlechts darüber aufregen. Read more →