Washlet-Toiletten Dusch-WCs

Dusch WC aller Anbieter auf der ISH 2016

Dusch WC Kataloge aller Anbieter auf der ISH 2015

Toiletten(sitze) mit eingebauter Dusche zur Analreinigung, sog. Washlet-Toiletten oder auch “Dusch-WC” genannt, sind dank globalisierter Trends in den letzten Jahren in Mode gekommen – und sind hierzulande noch lange nicht so populär, wie sie es eigentlich sein könnten. Im Internet gibt es seit ca. 2016 verstärkt Infos zum Thema Dusch-WC, wobei es in Deutschland mindestens 10 Marken mit einer Vielzahl an eigenen Modellen gibt.

Wie in den englischsprachigen Beiträgen auf diesem Blog bisher erwähnt, sehen wir WASH (WAter, Sanitation, Hygiene)-Ingenieure vor allem die Seite der Verfahrenstechnik, während sich der Nutzer eher für die Schnittstelle interessiert: Für die Toilette mit sauberen Oberflächen im Toilettenraum, die ein Wohlbefinden erzeugen. Schließlich verbringt man einen erheblichen Teil seines Lebens auf dem Toilettensitz, daher ist es verständlich, wenn in diesem Bereich für etwas Luxus gesorgt wird.

Ein wesentlicher Grund für die Reinigung des Hinterns mit Wasser ist die verbesserte Hygiene. Oder würde man sich – statt zu Duschen – den Körper lieber mit Papier abreiben? Wohl kaum. Schon die alten Römer benutzten an Stöcken befestigte Meeresschwämme (tersorium), um sich damit den Hintern abzuwischen. Und wenn der Großteil der Weltbevölkerung die Nassreinigung bevorzugt, kann das System so falsch nicht sein. Nur vielleicht anfangs etwas ungewohnt.

Dusch-WC sind nicht nur ein Trend wie Badezimmerspiegel mit integrierten LEDs, sondern ein ernsthafter Beitrag zur Körperhygiene. Viele auf dem deutschen Markt mittlerweile angebotenen Modelle verfügen über eine Hilfsmittel-Nr und können bei entsprechender Verordnung über die Krankenkasse abgerechnet werden. Grund genug also, sich das Thema etwas genauer anzuschauen.

Systeme

Die derzeit verfügbaren Systeme zur wasserbasierten Analreinigung lassen sich grob in drei Varianten einteilen:
a) Ein extra Bidet, wie in Frankreich üblich. Die feuchte Reinigung geschieht hier auf einem eigenen Sitz, unabhängig vom installierten Toilettensitz.
b) Ein Duschschlauch neben dem WC, über den die Reinigung erfolgt. Alternativ ein Wasseranschluss mit Eimer und einem Becher.
c) Eine in den Toilettensitz integrierte Düse, die je nach Bauart fest installiert ist oder automatisch ausfährt und mit kaltem oder warmem Wasser den Hintern reinigt.

Die in Variante c) beschriebenen Toilettensitze sind das, was hier als Washlets, Popodusche, Dusch WC usw. bezeichnet wird. Diese Dusch WC gibt es entweder als Komplettsysteme (= Keramik und Aufsatz) oder als Dusch-WC-Aufsätze (= eine Art Toilettenbrille mit Zusatzfunktionen), die entweder universell mit fast allen WC-Keramiken funktionieren oder nur für eine bestimmte Keramik geeignet sind. Vor allem in der Türkei gibt es auch Taharet-WC, die eine Eigenart haben: bei ihnen sind die Duschstäbe fest montiert und sie stellen damit wohl die einfachste und älteste Variante dar.

Komfort

Neben dem Wasserstrahl unterscheiden sich die angebotenen Systeme auch im integrierten Komfort. So bieten manche Systeme einen beheizten Toilettensitz, eine Absaugvorrichtung für üble Gerüche, einen als “Ladydusche” bezeichneten Wasserstrahl für die Intimdusche bei Frauen, ein integriertes Gebläse zur Trocknung sowie andere Extras wie eine Fernbedienung. Ziel all dieser Maßnahmen ist es u.a. auch, den Toilettenbesuch zu einem positiven Erlebnis zu machen.

Die relativ weite Verbreitung auf dem asiatischen Markt hat dazu geführt, dass es anfangs vor allem asiatische Modelle gab, die dann für den europäischen Markt freigegeben wurden. Mittlerweile gibt es jedoch auch viele etablierte und auch neue Hersteller, die speziell für den europäischen Bedarf angepasste Systeme entwickeln und anbieten. Während man also auf der ISH-Messe in Frankfurt in 2015 noch viele chinesische Hersteller sah, die wenn dann wohl eher über die Baumärkte vertrieben werden, gibt es mittlerweile einige empfehlenswerte Varianten, die auch deutsche Kunden ansprechen und und den hiesigen Normen entsprechen. Den Anfang machte übrigens ein schweizer Hersteller in den 1950er Jahren, die Washlets sind also keine Erfindung der Japaner (wo es in den 1970er Jahren überwiegend Hocktoiletten gab).

Marktübersicht Dusch-WC / Washlet

Ich hatte auf der ISH-Messe fast alle dort ausstellenden Hersteller zum Thema Dusch-WC besucht und mir Infomaterialien mitgenommen, weil ich hier auf diesem Blog endlich mal die verschiedenen Varianten vorstellen wollte. Jetzt kam ich endlich dazu und habe entdeckt, dass es auf Happy-Toilet.de und dusch-wc-washlet.de mittlerweile bereits gut gemachte Übersichten zu einigen in Deutschland verfügbaren Modellen gibt, die nicht nur ein paar Modelle auflisten oder oberflächliche Info mit Affiliate-Links in den Suchmaschinen platzieren. Auch das Fazit des Autors erscheint mir sinnvoll: Einfache Technik ist langlebiger und weniger erklärungsbedürftig. Damit wird natürlich auch ein Hersteller bedient, der im Dusch-WC-Geschäft neu eingestiegen ist und ab 2017 ein System anbietet, das ohne viel Technik aus einem vorhandenen Warmwasseranschluss eine hydromechanische, reine Bidet-Funktion anbietet.

Desweiteren sei natürlich DER Anbieter von Sanitärtechnik online erwähnt, der sehr viele Markenprodukte auflistet und als Händler einerseits direkt Preise mitliefert, andererseits alle möglichen Daten auflistet, die ich als “Toilettenblogger” niemals alle auflisten wollte. Interessant ist hierbei auch, dass sämtliche Ersatzteile aufgelistet werden. Wer sich für die Technik interessiert, wird hier wunderbar mit Infos versorgt. Der Verkaufspreis entspricht natürlich noch nicht der installierten und betriebsbereiten Toilette, das Angebot bei reuter.de ist aber eine gute Ausgangsbasis für denjenigen, der sich allumfassend informieren möchte und dabei nicht nur auf die wenigen Quellen des Handwerkers seines Vertrauens zurückgreifen möchte. Durch die Digitalisierung und den Wegfall traditioneller Zwischenhändler ist auch dieser Sektor von Veränderungen betroffen. Am Ende kaufen die meisten Kunden nur nach dem Preis oder der Bewertung – siehe Amazon – und durch Marketingmaßnahmen über viel mehr Kanäle und unterschiedliche Preismodelle kann ein komplett anderer Abverkauf gefahren werden.

Angebotsvielfalt

Bei einer Investition von ca. 3000 bis 5000 EUR für ein modernes Dusch WC möchte man andererseits vielleicht auch mehr als nur die nächstbeste Variante anschaffen. Es gilt also weiterhin, sich möglichst breit zu informieren und die Modelle irgendwie selber in Augenschein zu nehmen. Toilettensitze unterscheiden sich – und nur weil ein System besonders gut konstruiert ist, heißt es noch lange nicht, dass man sich auf genau diesem einen Toilettensitz dann auch wirklich wohl fühlt. Das ist auch einer der Gründe, wieso ich von meiner eigenen Marktübersichtstabelle mit etlichen Modellen vieler kleinerer Anbieter (neben Duravit und Geberit) wieder abgekommen bin.

Allerdings: die Produkte der Firma TOTO hat Reuter nicht im Programm. Und kleinere Anbieter wie Lavalino oder Wacor werden ebenfalls nicht angeboten. Nun mag Toto nicht das Maß der Dinge sein, es werden aber doch wohl viele Kunden gerade aufgrund der Toto-Toiletten auf das Thema aufspringen. Auf der Website von Toto gibt es übrigens eine Liste an halb-öffentlichen Toiletten, auf denen man Probe sitzen kann. Gibt es auch für die Geberit AquaClean.

Stichwort Toto: von Villeroy & Boch gibt es eine Serie in Zusammenarbeit mit Toto, was ich aus Marketingsicht als sehr sinnvoll empfinde, andererseits auch so meine Zweifel habe, ob damit so “aus einem Guss” für den Kundenkomfort entwickelt werden kann. “Welches System verkauft sich den am besten?”, möchte man direkt fragen, und vielleicht sollte man das direkt mal.

Perspektive

Zum jetzigen Zeitpunkt Anfang 2017 bleibt daher abzuwarten, wie sich der Markt entwickeln wird und ob die großen Markenhersteller das Rennen machen werden, oder ob die kleineren (guten) Anbieter mit ihren Eigenmarken und teilweise umgelabelten Sitzen aus China weiter Marktanteile sichern können. Auf der ISH 2015 zumindest hätte ich einige chinesische Anbieter direkt wieder nach Hause schicken wollen. Schlechte Materialien und eine grauenhafte Verarbeitung verwässern den Markt, hindern die Kunden in dieser klobalisierten Welt aber leider nicht daran, solch einen importierten Müll zu kaufen. Ich freue mich daher sehr, dass das Thema Dusch WC seit einigen Jahren richtig Aufwind bekommen hat und wir nicht nur von asiatischen Modellen abhängig sind, die hier irgendwie an deutsche Normen angepasst werden müssen und auch kleinere Hintern bedienen.

Bild mit Piktogrammen

Die am 17. Januar 2017 neu verabschiedeten und vereinheitlichten Piktogramme (Icons) auf den Fernbedienungen der japanischen Washlet-Industrie .

Gibt es eine Empfehlung?

Eine Empfehlung für DAS perfekte System gibt es aus meiner Sicht nicht. Jede Toilette ist nur so gut wie ihre Reinigung und Wartung. Hochkomplexe integrierte Dusch WC für mehrere Tausend Euro können wie die einfachen Systeme auch kaputt gehen und es ist fraglich, ob man all die gebotenen Extras in der Praxis wirklich braucht. Eine Fernbedienung erscheint dagegen praktisch, weil sich nicht alle Bedienknöpfe so gut bedienen/erreichen lassen wie es sich ein Produktdesigner wohl mal erhofft hatte. Das ist dann aber auch der Hauptgrund dafür, und nicht jede Fernbedienung hat die Bedienungsfreundlichkeit eines iGadgets. Die Icons auf den Fernbedienungen sollen jetzt übrigens vereinheitlicht werden.

Schlussendlich kommt es auf den Einsatzzweck an: Soll das Dusch WC im privaten Badezimmer stehen, oder im öffentlichen Bereich mit wechselnden Nutzern zur Anwendung kommen? Nicht alle Menschen haben sogleich Verständnis für neue Technologien, vor allem wenn sie alte Verhaltensweisen gewohnt sind. Bis sich die Dusch WC etabliert haben, werden sie leider immer ein erklärungsbedürftiges Produkt bleiben. Und dann: so ganz papierlos ist die Verwendung in den meisten Fällen nicht. Ein Trocken- und Kontrollwischen mit Papier ergänzt die Benutzung hierzulande, einfach weil man die neue Feuchtigkeit am Hintern nicht gewohnt ist. Das ist kein Nachteil, sollte aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden, damit keine falschen Erwartungen entstehen. Wichtig ist die Grundfunktionalität: eine Reinigung des Hinterns mit lauwarmem Wasser.

Zertifzierung

Interessant und untersuchenswert fände ich natürlich eine Cradle to Cradle (C2C) Zertifizierung für die Dusch-WC, auch weil ich seinerzeit meine Abschlussarbeit zum Thema “Cradle to Cradle Toiletten” schrieb und es eigentlich so mein Thema ist. Dafür müsste C2C aber als Umweltlabel richtig etabliert sein und vom Verbraucher aktiv nachgefragt werden. Gerade in Hinblick auf die veränderte Nutzungsdauer von Dusch WC gegenüber herkömmlichen Spültoiletten mit einfachen Toilettensitzen (= weniger anfällige Technik) wäre ein Leasing-Modell für Dusch WC auch sehr interessant. Ein Toilettensystem, das beispielsweise 15.000 Spülungen garantiert und dann nach 3-5 Jahren durch ein neueres Modell ersetzt wird, wäre auch schon im Sinne von Cradle to Cradle. In Zeiten von Ressourceneffizienz ist das vielleicht kein so uninteressanter Ansatz. Schlussendlich ist es ja in erster Linie eine Verkaufsart bzw. Finanzierungsmethode, und weniger eine Frage des Umweltschutzes. In Deutschland, wo sich die Abwasserentsorgung immer mehr hin zu einer Sanitärversorgung und einer Rückgewinnung von Nährstoffen verändert, würde man idealerweise auch nocht das entstandene Abwasser betrachten (welches sich durch einen deutlich reduzierten Anteil von Toilettenpapier ganz anders darstellen würde). Merke: es geht weniger um die Toilette und ihre bauliche Ausführung, als vielmehr um die Servicebereitstellung und das Ergebnis aus der Nutzung. Das ist aus meiner Sicht ein ganz wesentlicher Vorteil, der sonst bisher noch nirgends thematisiert wurde. Eine Cradle to Cradle-Zertifzierung für Dusch-WC wäre bei bestehendem Interesse der Industrie daher eine sehr positive Entwicklung.

Update am 28.02.2017

In der SBZ online sind zwei Artikel zum Thema erschienen: “Dusch-WCs auf dem Prüfstand“, wo es um einen Test der Hochschule Esslingen geht, sowie ein ebenso lesenswertes Interview mit Prof.Dr.-Ing. Hans Messerschmid.

2 comments » Write a comment

  1. Washlet or bidet or shower toilet !! The ideas of Japanese were great to wash your anal perfectly. It is hygienic, eco friendly and reduces the cost of tissue paper. But electric bidet toilet seat may cost a little current bill.

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