Review: Die happypo Po-Dusche

Waschen statt nur Wischen. Was sich auf den ersten Blick etwas seltsam anhört, macht eigentlich schon sehr viel Sinn: Statt nur mit trockenem Toilettenpapier oder Feuchttüchern, reinigen wir uns den Hintern fortan primär mit einem Wasserstrahl und wischen dann nochmal trocken.

happypo Set

Das happypo-Set aus der Crowdfunding-Kampagne im Frühjahr 2017.

Die Mehrheit der Weltbevölkerung vertraut auf Wasser wenn es um die sog. “feuchte Analreinigung” geht – und das ist gar nicht so falsch. Sauberes Wasser reinigt den Körper sehr viel besser als trockenes Papier. Oder würdet Ihr Euch statt zu duschen auch nur mit Papier abreiben? Eben. 

Alternativen

Wie aber bekommt man das Wasser an den Hintern, wenn man kein Dusch-WC benutzt und ein feuchter Waschlappen als zu unhygienisch empfunden wird? Feuchttücher waren bisher das Mittel der Wahl, verstopfen aber gerne die Rohrleitungen und werden auf der Kläranlage auch nur mühsam herausgefischt. Dusch-WCs (Washlet Toiletten) sind stark im Kommen und stehen bei vielen Renovierungen und Neukäufen ganz oben auf der Liste. Das wird vielleicht nicht so offen kommuniziert wie ein neuer Gasgrill für das perfekte Steak, aber ein hochwertiger Toilettensitz mit etwas Komfort ist doch etwas, für das manche Besitzer gerne etwas mehr Geld ausgeben. Alle europäischen Anbieter von Sanitärwaren feilen gerade an ihrem eigenen Produksortiment, tüfteln an neuen Dusch-WC-Systemen und schauen immer wieder mal nach Asien, wo Dusch-WCs schon länger auf dem Markt sind. International gibt es derzeit Bemühungen, das “Reinigungsverhalten” von Dusch-WCs zu optimieren. Bis 2020 möchte man eine international gültige Dusch-WC Norm verabschiedet haben. So lange können wir aber nicht warten und nicht jeder kann sich ein Dusch-WC leisten. Die Dusch-WCs sind i.d.R. nicht portabel – bis auf diese Kunststoffflaschen, die mit warmen Wasser gefüllt und zur Reinigung verwendet werden können. Eine solche Flasche bietet jetzt ein neues Startup aus Berlin an, das ich im März 2017 in einer Crowdfunding-Kampagne sofort unterstützt hatte. Heute, am 1. Dezember 2017, wurde das Produkt nach einigen Umständen und einer sehr ungenügenden Kommunikation endlich ausgeliefert: happypo!

Unterkommunizieren: Das ist die einzige Erklärung von happypo zur späten Auslieferung. Kein Wort zum Verkaufspreis oder der fehlenden Wandhalterung.

Glücklicher Hintern

HappyPo ist eine Kunststofflasche, die aus zwei Teilen besteht: Einem Behälter für ca. 290 ml Flüssigkeit und einer aufsteckbaren Düse. Die relativ schlanke Bauform und das Material sind so gewählt, dass man den HappyPo-Behälter problemlos an seinen Intimbereich führen und dann mit einem Druck auf den Behälter reinigen kann. Da das ganze System so einfach gehalten ist, kann da viel weniger kaputt gehen, die Benutzung ist viel eindeutiger als bei einem Dusch-WC und es ist eben portabel. Und ja, Feuchttücher nehmen in der Tasche weniger Platz ein, bieten den gewohnten Wohlfühlkomfort und kommen dadurch unterwegs wohl eher zum Einsatz. Für einen ersten Start in die feuchte Analreinigung wirkt das jedoch alles schon sehr stimmig mit diesem Gerät. Ausgeliefert wird die happypo in einem verschlossenen Hygienebeutel und steckt mit einer kleinen Faltanleitung in einer einfachen Pappschachtel.

Eine Nahaufnahme der Düse und des Bodens an der happypo Po-Dusche.

Eine Nahaufnahme der Düse und des Bodens an der happypo Po-Dusche.

Die Chargennummer bei meiner happypo lautet 2017×001, das ist hier also die erste Version des fertigen Produkts und Änderungen wird es sicherlich nochmal geben. Anfangs wurde während der Crowdfunding-Kampagne sogar eine Wandhalterung versprochen, aber die ist wohl im Entwicklungsprozess irgendwelchen Umständen zum Opfer gefallen. Die happypo steht im unbefüllten und befüllten Zustand schon mal aufrecht, und das ist ja gar nicht so selbstverständlich, weil sich das Material mit der Zeit in seinen Eigenschaften sicherlich nochmal verändern wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Materialauswahl einiges an Aufwand beschert hat, weil sich die Elastizitäten in den Kunststoffen über die Zeit verändern und dann Konstruktionen gewählt werden müssen, die dem etwas vorbeugen. So besteht der Flaschenbehälter aus zwei Hälften, die in einem Werk in Indien hergestellt und zusammengefügt wurden. Die Spitze ist innen zusätzlich mit einem Schaumstoff versehen, der als Dichtung dient und das System erst wirklich einsatzbereit macht. So kann da kein Wasser nebenbei entweichen.

Ein Schaumstoffring am Verschluss der happypo soll auslaufendes Wasser verhindern.

Wasser macht den Unterschied

Apropos warmes Wasser: In einem Test zu Dusch WCs wurde festgestellt, dass lauwarmes Wasser das beste Reinigungsergebnis erzielt. Wer auf seiner Toilette nur eiskaltes Wasser zur Verfügung hat, sollte sich das Spülwasser in der happypo daher dort abfüllen, wo es wärmeres Wasser gibt. Das ist übrigens auch ein Nachteil einiger Anbieter von Dusch-WCs, deren Systeme ebenfalls nur auf dem Wasserdruck in der Leitung beruhen und die keine Erwärmung des Wassers anbieten. Mehr Komfort kostet mehr Geld. Gerade bei den Dusch-WCs bedeutet eine große Funktionsvielfalt aber nicht automatisch, dass es ein besseres System ist. Hier kann so eine low-tech Variante wie die happypo elegant das Gegenteil beweisen.

Produktbild der happypo Dusche in Aktion (Quelle: happypo.de)

Benutzung

Für die Reinigung des Intimbereichs wird der Behälter also mit (lauwarmem) Wasser gefüllt, in einer sehr kurzen Umdrehung zugedreht und ist dann schon einsatzbereit. Der Sprühkopf wird dann an die Stellen herangeführt und über ein paar kurze Stöße kommt ein sehr gut dosierter Wasserstrahl heraus. Ich erwähne diesen offensichtlichen Prozess so genau, weil das Absprühverhalten wirklich optimal dosiert ist. Es kommt die für meinen Geschmack genau richtige Menge an Wasser aus dem Sprühkopf; mit dem richtigen Druck, der eine gute Reinigung ermöglicht. Alleine schon, dass bei einem befüllten Behälter während des drucklosen Transports kein Wasser aus der Düse austritt (eben auch dann wenn man das Gerät schräg hält), ist schon sehr viel wert und trägt zum guten Eindruck bei der Benutzung bei.

Reinigung

Eine weitere interessante Frage wäre die zur Verträglichkeit des Materials mit diversen Reinigungsflüssigkeiten. Die Sauberkeit von Oberflächen ist aus meiner Sicht ein sehr schwieriges Thema, weil man den Verschmutzungsgrad teilweise nicht sieht und jeder Nutzer da seine eigenen Befindlichkeiten hat. Es wird also wohl zwangsläufig dazu kommen, dass bei einigen Nutzern relativ scharfe Reinigungschemie zur Anwendung kommen wird, um das Gerät zu reinigen. Wie sich die drei verwendeten Materialen im Gerät (weicher Behälter, fester Düsenaufsatz, weiches Schaumgummi) auf Dauer mit der diversen Reinigungschemie vertragen, kann wohl nur die Praxis zeigen. Die Gewährleistungsfrist bei gebrauchten Artikeln beträgt ein Jahr.

Anwendung

Die happypo-Dusche wird auf ihrer Website als Alternative zu Feuchttüchern angepriesen, soll Reizungen am Po reduzieren, die weiblichen Intimhygiene optimieren, während und nach der Schwangerschaft helfen, unterwegs etwas Komfort bieten und bei Kindern über den Wasserstrahl zu einem besonderen Reinigungserlebnis führen. Etwas Gamification ist da gar kein falscher Ansatz im Marketing für eine verbesserte Sanitärversorgung. Aus meiner Sicht ist das Hauptproblem der weltweiten Sanitärkrise nämlich, dass das gesamte Themenfeld Toilette, Intimreinigung, Hygiene usw. ein immer noch zu negatives Image hat und eher als Tabuzone betrachtet wird. Dabei sind wir bei dem Thema alle selber Experten und haben einen Erfahrungshorizont, der jeden Tag neu geprägt wird. Der Besuch einer Toilette bringt in den meisten Fällen ein Gefühl der Erleichterung, ist also eigentlich positiv zu sehen. Kurzum, die Toilettenbenutzung muss Spaß machen und mit so einem Gadget wird das Kriterium genau erfüllt. Alleine das rechtfertigt für mich schon den Kauf!

Marketing

In einer Startup-Show im Fernsehen (“Die Höhle der Löwen”), wo Gründer für mehr Publicity und finanzielle Unterstützung ihre Produkte pitchen können, wurde HappyPo von seinen beiden Gründern auch vorgestellt. Diese Startup-Shows sind vor allem auch wunderbare Werbeplattformen und dass das finale Produkt im Handel jetzt weniger kosten soll als noch in der Crowdfunding-Kampagne – damit muss man als early adopter wohl leben. Dass die in der Show vermittelten Produktionskosten iHv 1,50 EUR pro Stück betragen, sieht man dem Produkt teilweise auch an. Ein derzeitiger Verkaufspreis von knapp 20 EUR ist aus meiner Sicht auf Dauer zu hoch. Hier wird sich wohl etwas im Rahmen von 10-15 EUR einpendeln. Aber ganz abgesehen von den Kosten und dem was der Verbraucher dafür erwartet: Dass ein wichtiges Thema wie die Intimreinigung über so ein Produkt in den Fokus gerät, das erfreut mich schon sehr und daher verzeihe ich dem Startup zumindest auch die Kommunikationsfehler, die es seit der Crowdfunding-Kampagne gemacht hat. Social Media (Twitter, Instagram, Facebook) kann wohl nicht jeder. HappyPo ist übrigens nicht der erste Anbieter solcher Reinigungsflaschen: Bei Amazon gibt es unter dem Markennamen „Badimo” bereits seit einiger Zeit mobile Bidets zu kaufen. Ob die aber besser sind, habe ich noch nicht getestet.

Die happypo Po-Dusche im Set.

Eine gute Ergänzung

Auch ganz wichtig: Die Po-Dusche von happypo wird als “Die beste Ergänzung zum Toilettenpapier” vermarktet. Das ist ein sehr wichtiger Marketingschritt, denn der deutsche Verbraucher urteilt gerne in “besser” oder “schlechter”, aber DIE perfekte Toilette gibt es nicht. Jeder Mensch, jeder Benutzer hat sein eigenes System, und Toilettenpapier wird auch bei vielen Dusch-WCs zum “Kontroll- und Trockenwischen” verwendet. Nur hinsetzen, passiv abspülen lassen und dann von einem Fön trocknen lassen – so läuft das doch nicht in der Praxis. Daher: Alle Systeme ergänzen sich und kein System ist für sich perfekt.

Umwelt

Auf der Verpackung wird noch mit dem Umweltargument geworben, nämlich dass die happypo die Umwelt durch weniger Papierverbrauch schont. Es gibt im Internet verschiedene Zahlen, die alle einen relativ hohen Papierverbrauch beim Toilettenpapier belegen – laut einer “WWF-Studie verbraucht jeder Deutsche durchschnittlich 15 Kilogramm Hygienepapier im Jahr“. Als Unterstützer des Cradle to Cradle Designkonzeptes finde ich den Konsum als solchen erstmal gar nicht so tragisch. Tatsächlich gibt es bisher aber nur einen Anbieter weltweit (in den Niederlanden), der wirklich nachhaltiges Toilettenpapier nach Cradle to Cradle Silver Standard anbietet. Wenn jetzt alle Nutzer C2C-zertifiziertes Toilettenpapier verwenden würden, wäre das Problem vermutlich viel weniger tragisch. Und Toilettenpapier aus Bambus, so wie es in letzter Zeit von einigen Anbietern beworben wird, bedient aus meiner Sicht vor allem die veganen Konsumenten. Die meisten Toilettenpapiere sind nämlich nicht vegan oder werden nicht eindeutig gekennzeichnet, weil der Kleber im Karton Tierknochenmehl beinhalten kann. Die primäre Intimreinigung mit Wasser statt mit Hygienepapier kann wahrscheinlich die Diskussionen zum Umfang der Ökobilanzen etwas reduzieren. Am Ende wird die Kauf- und Konsumentscheidung aber wohl eher von Gewohnheiten abhängen, und weniger von dem was uns die Industrie vorrechnet oder anbietet.

Für die happypo selber wünsche ich mir in Zukunft eine Zertifizierung nach Cradle to Cradle, in der die Herstellung und die Materialen auf ihre Nachhaltigkeit hin untersucht werden. Bis dahin aber wird sich diese manuelle Po-Dusche sicherlich noch wunderbar verkaufen, einfach auch weil sie jetzt dieses “Die Höhle des Löwen“-Label hat und das einige weitere Vertriebswege bietet. Interessant ist dabei auch, dass die populären Toilettenhocker (wir erinnern uns an das kackende Einhorn) teilweise im Bundle mit dieser Po-Dusche angeboten werden. Not bad, würde ich auch so machen!

Fazit

Aus meiner Sicht wird es in den nächsten 20 Jahren viel üblicher werden, dass wir uns mit einem Wasserstrahl den Intimbereich reinigen. Die ausschließliche Benutzung von Toilettenpapier ist nur ein erlerntes Verhalten, das nicht in allen Kulturkreisen gleichermaßen gelebt wird. Der Siegeszug feuchter Analreinigung über solche mobilen, batterielosen und einfachen Handbidets ist genauso wenig aufzuhalten wie der Erfolg von Dusch-WCs. Ich finde diese happypo absolut empfehlenswert. Nur beim Preis sollte sich in der jetzigen Version noch etwas verbessern – und eine Wandhalterung wäre tatsächlich nicht verkehrt.

HappyPo
19,99 EUR pro Dusche // 4 EUR Versandkosten DE

Update

Die Zeitersparnis durch die feuchte Reinigung ist enorm. Ich bin mittlerweile so überzeugt von dem Gerät, dass ich es mir auf jeden Fall nochmal nachkaufen werde, sollte es kaputt gehen. Aus den Rückmeldungen zu diesem Blogpost wird mir auch deutlich, dass viele NutzerInnen eine feuchte Reinigung immer noch als problematisch empfinden – und es dabei weniger um das Produkt „happypo” geht, sondern vielmehr um das eigene Hygieneempfinden. Aus meiner Sicht können Produkte wie diese Po-Dusche, der Toilettenhocker oder Menstruationstassen dafür sorgen, dass wir als Gesellschaft diesbezüglich etwas weiterkommen und den Stellenwert von guter und nachhaltiger Sanitärversorgung erhöhen. Als Rückmeldung auf diesen Blogpost haben die Macher der happypo übrigens noch berichtet, dass die Wandhalterung den Unterstützern der StartNext-Kampagne zugeschickt wird, sobald diese verfügbar ist. Yay! \o/

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