nowato Toiletten Frankfurt

Die Frankfurter Firma nowato (no water toilets) bietet seit einigen Jahren mobile Kompost- und Trockentoiletten an, die ganz ohne Wasserspülung und Chemie auskommen. Dadurch eignen sie sich auch für die Orte, an denen ein Wasser- und Abwasseranschluss nicht gegeben oder möglich ist.  Das komplette Design des Toilettenhäuschens unterscheidet sich von dem herkömmlicher Event-Toiletten und hinterlässt einen sehr positiven Eindruck. Zeit also, mit den beiden Gründerinnen von nowato ein Gespräch zu führen und das Label in Frankfurt etwas bekannter zu machen:

Severine und Elisabeth Felt von nowato.de

Severine und Elisabeth Felt von nowato.de

Hallo Elisabeth und Severine, wer seid Ihr, wie kamt Ihr seinerzeit auf die Idee mit diesen Toiletten und was war Eure Vorgeschichte?

Meine Schwester Severine und ich wollten uns selbstständig machen und wir suchten nach einer Geschäftsidee, die uns weg von dem PC bringt (wir waren beide vorher in der IT-Branche tätig) und in der wir für uns einen Sinn finden. Und das haben wir bei den Kompost- und Trockentoiletten gefunden. Entdeckt haben wir sie auf Reisen und in Frankreich. Obwohl das Produkt an sich nicht neu ist, kann man noch viel weiterentwickeln, verbessern, optimieren und natürlich bekannt machen. Komposttoiletten überzeugen durch die Einfachheit des Prinzips, den guten Geruch und durch ihr Erscheinungsbild. Unsere Kunden sind völlig begeistert. Und wir freuen uns über die sehr gute Resonanz der Produkte und unserer Dienstleistung.

Nur das mit dem weg vom PC hat nicht ganz geklappt…

Wie sind Eure Toiletten aufgebaut und was unterscheidet sie von den anderen Anbietern?

Bei unseren Toiletten achten wir sehr auf das Design und den Komfort. Die Toiletten sollen jede Sitzung zum Erlebnis machen 🙂
Sie sind aus Holz. Nur die stark beanspruchten Stellen sind versiegelt. Der Rest ist mit Leinöl behandelt, damit die Holzfarbe frisch bleibt. Generell eignet sich Holz für Toiletten sehr gut, durch die (wieder anerkannte) sehr gute natürliche antibakterielle Wirkung. Unsere Toiletten verfügen über ein Hebedach – zum Lüften wenn nötig. Die Tür schließt automatisch durch einen Stein, der ein Gegengewicht bildet. UND es gibt immer Blumen bei unseren Miettoiletten.

Das Ökologische erwähnen wir eigentlich nicht. Es ist für uns einfach selbstverständlich.

Wie viele Toiletten habt Ihr bisher schon errichtet? Wo seid Ihr aktiv?

Wir sind eifrige Produktentwickler. Es ist ein wichtiger Aspekt von diesem Geschäft und liegt uns am Herzen. Mittlerweile haben wir schon das 4. Modell von Komposttoiletten entwickelt. Genauso bei mobilen Handwaschbecken.

Für den öffentlichen Bereich bieten wir die Toiletten des Herstellers Kazuba aus Frankreich an. Sie funktionieren ohne Wasser, ohne Strom und ohne jegliche Zusatzstoffe, allein mit einem effizienten Austrocknungsverfahren. Wir sind exklusiver Vertriebspartner in Deutschland und decken damit die stark wachsende Anfrage von Gemeinden, Städten und Landschaftsarchitekten ab.

Die Anzahl an Referenzen kann ich gar auf Anhieb nicht genau sagen. Insgesamt haben wir um die 300 Referenzen, hauptsächlich im deutsprachigen Raum.

Sommerwerft, Frankfurt am Main. Foto: Severine Felt

Sommerwerft, Frankfurt am Main. Foto: Severine Felt

Was macht Ihr mit den Fäkalien, die ihr einsammelt? Kommen die auf eine Kläranlage oder wie läuft das ab?

Die Fäkalien, die wir aus den Vermietungen und Wartungen sammeln, werden regelmäßig in eine Kompostierungsanlage gebracht, um dort fachgerecht verwertet zu werden. Damit schließen wir den natürlichen Kreislauf: Der Mensch ernährt sich von der Erde und wir ernähren unsere Erde. Das ist der Sinn von Komposttoiletten.

Kann ich mir so eine Komposttoilette auch in die Gartenlaube stellen und die Fäkalien dann selber kompostieren?

Wenn es nicht explizit von der Stadtverordnung oder von der Gartenanlageverordnung verboten ist, kann man die Toilettenreststoffe tatsächlich direkt in seinem Garten kompostieren. In vielen Gartenanlagen wird dies sogar empfohlen. Ein paar Grundregel sind dabei zu achten. Kompliziert ist es aber nicht. Wir geben Tipps und Infos dazu auf unserer Website.

Welche Rückmeldungen bekommt Ihr zu den Toiletten von den Nutzern?

Unsere Kunden sind Stammkunden!

Wie kommen Eure Kunden auf Euch zu, was sind Eure Vertriebskanäle?

Wir sind mit den nowatos auf verschiedenen Festivals, auch im Frankfurter Garten, Botanischen Garten und Wissenschaftsgarten in Frankfurt am Main. Diese Veranstaltungen und Orte, mit viel Publikum und Besucher, sind eine gute Gelegenheit, die Komposttoiletten bekannt zu machen. Und für Leute, die verzweifelt nach einer annehmbaren Toilettenlösung für Ihren Garten suchen ist die Entdeckung von Komposttoiletten ein wichtiger Fund. Ansonsten kommen die Menschen hauptsächlich über unsere Website und durch Mundpropaganda auf uns zu.

Für unsere öffentlichen Toiletten Kazuba sind wir zusätzlich auf Fachmessen wie zum Beispiel die GaLaBau in Nürnberg präsent und werden in Zukunft den Verkauf über Vertriebspartner weiter ausbauen.

Was kostet die Toilette zum Kauf oder zur Miete? Und wie viele Toilettenhäuschen brauche ich für mein Event bzw. wie berechnet sich das?

Wir bieten sieben verschiedene Modelle von Kompost-Toiletten für Innenräume an, ab 120,- EUR. Als Garten-Toilette haben wir das Modell ‘Wiese’ aus Fichte (1.750,- EUR) oder aus Lärchenholz (2.450,- EUR). Unser barrierefreies Modell kostet 3.934,- EUR. Alle diese Toiletten funktionieren mit einem einfachen Behälter und mit Einstreu. Eine Garten-Toilette für das skandinavischen System Biolan bieten wir auch an. 3.059,-  aus Fichte und 3.919,- aus Lärche, mit dem Biolan “Maxi”. Mit der Kazuba-Reihe bieten wir Lösungen für den öffentlichen Raum: überall, wo keine Kanalisation vorhanden ist, ist die Kazuba die Ideale öffentliche Toilette. Da liegen die Preise zwischen 5.000 und 12.000 Euro. Das sind alles Brutto-Preise.

Eine Kazuba-Toilette in einem Stadtpark

Eine Kazuba-Toilette in einem Stadtpark

Ich bekomme öfter Rückfragen zu Kompost- und Trockentoiletten und empfehle dann das Buch “Kompost-Toiletten für Garten und Freizeit” von Wolfgang Berger. Ebenso das Forum der Sustainable Sanitation Alliance (SuSanA). Gibt es weitere empfehlenswerte Info-Quellen?

Das Buch “Kompost-Toiletten – Sanitärsysteme ohne Wasser” von Wolfgang Berger und Claudia Lorenz-Ladener gibt umfangreiche Informationen in Sachen alternative Toilettenversorgung. Diese Ausgabe ist leider vergriffen und im Handel nur noch gebraucht zu bekommen.

Die neue Ausgabe “Kompost-Toiletten für Garten und Freizeit” ist deutlich kompakter, enthält aber alle Informationen die der Endnutzer für den Betrieb seiner Komposttoilette braucht.

Auch die DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.) hat interessante Studien über alternative Sanitärsysteme herausgebracht. Daran wird auch deutlich, dass durchaus neue Denkweisen in unserer Toilettenversorgung notwendig sind.

Und zuletzt: Joseph Orszagh hat mit seinen Veröffentlichungen auf der Seite www.eautarcie.org, mit konkreten technischen, individuellen umsetzbaren Lösungen für eine nachhaltige Wasserwirtschaft sehr stark zur Verbreitung von Einstreu-Toiletten im französisch-sprechenden Raum beigetragen. Einstreu-Toiletten sind ein Teil seiner Lösung für eine autarke und nachhaltige Wassernutzung.

Gibt es einen Deutschland- oder Europaweiten fachlichen Austausch zwischen den Anbietern dieser alternativen Toilettensysteme? Wie viele Anbieter gibt es da überhaupt?

Die Akteure im deutschsprachigen Raum kennen sich und sind im Austausch: ich spreche jetzt von den 15 Anbietern, mit denen wir in Kontakt sind. Wir sind auch in Verbindung mit dem Réseau pour l’Assainissement Ecologique (RAE), Netzwerk für Ökologischen Sanitärsysteme in Frankreich.

Thema Frankfurter Mainufer: welchen Bedarf seht Ihr hier und was würdet Ihr dort gerne mal testen?

In Umfragen für eine bessere Qualität der Freizeit sind die Toiletten in der Regel in den Top 3 erwähnt. So auch am Mainufer: die Familie geht spazieren und sobald, dass einer/eine auf Toilette gehen muss ist der Spaziergang abrupt zu Ende. Toiletten verbessern die Lebensqualität. Die Kazuba-Toilette würde sich am Mainufer sehr gut eignen. Die würden wir dort gerne testen, um zu schauen, wie sie angenommen wird.

Wo würdet Ihr in Frankfurt sonst noch gerne aktiv werden?

An vielen naturnahen Plätzen fehlt es an Toiletten. Und überall, wo Kinder spielen (Kinderspielplätze), wo Menschen spazieren gehen oder im Sommer auf der Wiese gerne verweilen würden sich unsere Kazuba-Toiletten sehr gut integrieren.

Ungewöhnliche Orte für saubere Toiletten - auch das ermöglichen diese nowato Toiletten.

Ungewöhnliche Orte für saubere Toiletten – auch das ermöglichen diese nowato Toiletten.

Gibt es bei Euch auch die Möglichkeit, Toiletten über Werbung in und auf den Toilettenhäuschen zu finanzieren?

Bis jetzt wurden wir nicht angesprochen, und wir finden unsere Holztoiletten erholsam für die Augen, weil sie so schlicht sind. Kein zusätzlicher Reiz.

Elisabeth und Severine, vielen Dank für das Gespräch!

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  1. Pingback: Gedanken zum Welttoilettentag 2016 | saniblog.org

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