No modern public toilets in Frankfurt

The following blog post is a reply (in German) I received the other day from the City of Frankfurt am Main in Germany upon my request for more public toilets.

A short proposal that asked the city to invest in more public toilets that would improve the overall toilet situation in Frankfurt (which is still bad) and that would make use of technologies such as vacuum toilets and/or Urilift urinals. A quickly drafted idea that I shared on Bürgerhaushalt FFM a while ago (which is a website by the city of Frankfurt to pool public participation). You may want to use Google translate if German isn’t your language…

A snapshot of closed urinals in a public toilet / restroom - seen at Frankfurt Airport in Oct. 2013. #fail

A snapshot of closed urinals in a public toilet / restroom – seen at Frankfurt Airport in Oct. 2013. #fail

The idea
Vorschlag und Ergebnis der Bürgerbeteiligung
Vorschlag Nr.: B903
Titel: Förderung öffentlicher Toiletten
Beschreibung:

In der Innenstadt sollte es mehr öffentliche Toiletten geben, gerne auch mit einer Benutzungsgebühr.

Vorteile:
– Sicherstellung der sanitären Grundversorgung (!)
– Gastlichkeit für Besucher der Innenstadt
– Auslagerung der Verantwortung in eine GmbH
– Wassereinsparungen durch wasserlose Urinale
– Betriebskosten für Wasser durch Verwendung von Vakuumtoiletten einsparen
– Nährstoffrecycling mit z.B. Verwendung des org. Düngers in den Grünanlagen der Stadt
– Grauwasserrecycling, z.B. Handwaschbeckenspülwasser aufbereiten für Toilettenspülung
– Aufbesserung des Images des Stadt
– Zusatzangebote wie z.B. Verkauf von Hygieneartikeln, Handyladestation, etc.
Zusätzlich:
– versenkbare Urinale (in den Niederlanden populär) für Vergnügungsviertel, die in der Nacht
aus dem Boden ausgefahren werden
In anderen Städten Europas wurde dies teilweise schon umgesetzt.
Bei richtiger Kalkulation, d.h. Umlage der Betriebskosten, könnte dies sogar rentabel sein, es
müsste aber eine Förderung seitens der Stadt geben.

Their reply

Beschlussempfehlung: Der Vorschlag wird abgelehnt.

Fachliche Stellungnahme der Verwaltung
Der Magistrat hat eine Untersuchung der WC-Standorte in Frankfurt am Main durchgeführt und ermittelt, dass die wichtigen Orte mit überquartierlicher Bedeutung mit öffentlichen WCAnlagen versorgt werden. Besonders in der Innenstadt werden viele WC-Anlagen an wichtigen Standorten vorgehalten. Ohne konkrete Angabe, an welchen Stellen im Stadtgebiet weitere WC-Angebote gewünscht werden, kann zu dem allgemein geäußerten Wunsch „nach mehr öffentlichen Toiletten“ nicht Stellung genommen werden. Zu den angegebenen Vorteilen kann aber folgendes festgehalten werden:

Auslagerung der Verantwortung in eine GmbH: Gründe, warum dies vorteilhaft sein sollte, sind im Vorschlag nicht genannt worden.

Wassereinsparung durch wasserlose Urinale: Gemäß den Richtlinien für wirtschaftliches Bauen des Hochbauamtes sind wasserlose Urinale in Sanitärbereichen vorzusehen. In den öffentlichen WC-Anlagen sind bereits seit 200 Jahren wasserlose Urinale und Rinnen im Einsatz. Auch in Zukunft werden dort wasserlose Urinale eingesetzt werden.

Betriebskosten für Wasser durch Verwendung von Vakuumtoiletten einsparen: Wasser wird in den öffentlichen WC-Anlagen lediglich für die Spülungen der WC-Sitze und die Handwaschgelegenheiten sowie für die Reinigung benötigt. In den öffentlichen Toiletten in Frankfurt am Main werden die wasserlosen Urinale von etwa 63 % der Besucher genutzt, die WC-Sitze nur von etwa 37 %. Durch Einsatz von Vakuumtoiletten könnte der Wasserverbrauch für die WC-Spülungen zwar reduziert werden. Für die Erzeugung des erforderlichen Luftdrucks müssen hingegen technische Vorrichtungen vorgehalten, betrieben und gewartet werden. Die Rohre und Leitungen müssen für den Betrieb mit Druckluft ausgelegt werden. Dies verursacht erhebliche Kosten. Die Herstellung und der Betrieb einer solchen Toilette sind teurer als beim herkömmlichen System. Dieser WC-Typ ist technisch sensibler als das herkömmliche Entwässerungssystem mittels Fallrohr. Bei der Beanspruchung der Ausstattung in einer öffentlichen WC-Anlage wäre bei Vakuumtoiletten mit massiven Betriebsstörungen zu rechnen. Die KfW-Bankengruppe hatte Vakuumtoiletten in ihren Bürogebäuden eingebaut und diese zwischenzeitlich wieder auf herkömmliche WCs umgerüstet. Vakuumtoiletten finden nur noch in Flugzeugen, ICE-Zügen und auf Schiffen Anwendung.

Beim Nährstoffrecycling mit z. B. Verwendung des organischen Düngers in den Grünanlagen der Stadt. In Toilettenanlagen fällt zunächst kein organischer Dünger an. Verschiedene Systeme (Trenntoiletten, Komposttoiletten, Urinsammlung) versuchen die Fäkalien so aufzufangen und zu speichern, dass in einem weiteren Bearbeitungsschritt die enthaltenen Nährstoffe für weitere Nutzungen erschlossen werden können. Dies setzt jedoch immer voraus, dass diese WC-Systeme den Anforderungen entsprechend genutzt werden. Dies kann in einer öffentlichen WC-Anlage nicht sichergestellt werden.

Darüber hinaus erfordern alle diese Systeme aufwändige bauliche Lösungen, die im Bestand nicht oder nur schwer umgesetzt werden können. Auch im Betrieb und bei der Reinigung erfordern diese Systeme besondere Maßnahmen. Die Abholung und die Aufbereitung der gesammelten Fäkalien führen zu erheblichen Kosten. Da in öffentlichen Toiletten recht viele Fremdstoffe in die WCs eingebracht werden und diese die Weiterverarbeitungsprozesse beeinträchtigen, erscheint eine solche Lösung nicht wirtschaftlich.
Grauwasserrecycling, z. B. Handwaschbeckenspülwasser aufbereiten für Toilettenspülung. Für das Grauwasserrecycling sind erhebliche technische Umrüstungen der WC-Anlagen erforderlich.
Der Einsatz lohnt sich nur für größere Gebäude, in denen entsprechende Mengen Grauwasser anfallen und Bedarf für entsprechende Mengen Grauwassers als Spülwasser für die WCs oder für die Kühlung von Produktionsanlagen besteht. Die Vorhaltung eines zweiten Wasserbewirtschaftungssystems ist für so kleine Funktionseinheiten wie WC-Anlagen nicht wirtschaftlich. Einer Veralgung der Tanks und der Leitungen sowie die Verstopfung der Leitungen durch die Algen muss unter Einsatz chemischer Mittel entgegen gewirkt werden. Das Spülwasser für die WCs wäre durch organische Inhaltsstoffe braun gefärbt. Dies würden viele Nutzerinnen und Nutzer nicht verstehen und sich ekeln. Die WC-Objekte nehmen die braune Färbung unweigerlich an. Mit Reinigungen kann dagegen nicht wirksam vorgegangen werden. Es entsteht der Eindruck, die WCs seien schmutzig und unhygienisch. Darüber hinaus kann Grauwasser Gerüche bilden. Dies vor allem, wenn das Wasser schon über längere Zeit gelagert wurde. Auf Gerüche reagieren viele Nutzerinnen und Nutzer öffentlicher Toiletten sehr empfindlich, sie mindern die Akzeptanz des WC-Angebotes erheblich.

Aufbesserung des Images der Stadt: Das Liegenschaftsamt hat bereits damit begonnen, die vorhandenen WC-Anlagen, die seit geraumer Zeit nicht mehr saniert wurden, auf einen modernen und zeitgemäßen Standard zu bringen. Damit soll auch eine bessere Auffindbarkeit der WC-Anlagen erreicht werden und das Angebot an barrierefreien WCs deutlich verbessert werden. Saubere und zeitgemäße öffentliche WC-Anlagen können sicher einen Beitrag zu einem positiven Image einer Stadt leisten.

Zusatzangebote wie z. B. Verkauf von Hygieneartikeln, Handyladestation, etc.: Die Bereitstellung öffentlicher Toilettenanlagen ist eine Aufgabe der Stadthygiene. Weitere Serviceangebote passen nicht zu dieser öffentlichen Leistung. Es gibt in der Innenstadt viele Einzelhandelsgeschäfte, die Hygieneartikel anbieten. Die Ladenöffnungszeiten sind sehr komfortabel. Wie der Betrieb einer Handyladestation im Sinne einer Akkuladestation für mobile Telefone und ähnliche Geräte realisiert werden sollte, kann sich der Magistrat nicht vorstellen.

Ein Kunde müsste sein Handy über mehrere Stunden an einer öffentlichen WC -Anlage, die man in der Regel nur für wenige Minuten betritt und benutzt, in einer Ladestation hinterlassen und dann zurückkommen, um es wieder abzuholen. Zum einen müsste der Stromverbrauch ermittelt und bezahlt werden. Auch die Vorhaltekosten für Ladestationen und Abrechnungssystem sowie die Kosten für Inkasso bzw. Cash-Management müssten über die Benutzungsentgelte für diesen Service erwirtschaftet werden. Darüber hinaus ist nicht zu erwarten, dass Handys nicht gestohlen würden. Die überlassenen Geräte müssten gesichert werden. Jegliches Sicherungssystem würde die Benutzungsentgelte weiter verteuern. Uns ist kein derartiges Serviceangebot – auch unabhängig von einer WC-Anlage – bekannt.

Versenkbare Urinale: Dem Magistrat ist bekannt, dass es diese Lösungsmöglichkeit gibt. In Frankfurt am Main ist es sehr schwer, geeignete Stellen zu finden, an denen eine solche Lösung errichtet werden könnte, da sich unter Asphalt und Pflaster sehr viele Trassen befinden. Es müssen Vorkehrungen gegen Verparkung usw. getroffen werden, damit die Urinale auch ausgefahren werden können. Es handelt sich um eine sehr teure und störungsanfällige Konstruktion.

Wirtschaftlichkeit: Der Betrieb öffentlicher WC-Anlagen ist sehr teuer. Öffentliche WC-Anlagen werden als freiwillige Leistungen der Kommunen im Rahmen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit betrieben. Eine Umlage im weitesten Sinne findet also statt, weil diese Leistungen aus allgemeinen Steuermitteln finanziert werden. Nutzungsentgelte sind bei weitem nicht kostendeckend, sie dienen in erster Linie nicht der Finanzierung des Angebotes, sondern verfolgen andere Ziele in den Bereichen Sicherheit, Verminderung zweckfremder Nutzungen, Steuerung des Verhaltens der Benutzenden. Dem Magistrat ist bisher noch kein Betriebsmodell bekannt geworden, mit dem mit einer öffentlichen WC-Anlage (ohne sonstige Abreden wie Konzessionen, Zuschüsse, andere Privilegien) Gewinn erzielt werden konnte oder an deren Kosten sich freiwillig Anlieger oder sonstige Gruppen beteiligt hätten.

Einschätzung der Verwaltung: Vorschlag sollte nicht umgesetzt werden.

src: http://ffm.de/sites/default/files/Beschlussvorlage%20Anlage.pdf (PDF; 1.5 MB)

Now, I am not really surprised by this reply and my idea about an on-site greywater reuse for flush toilets as well as the proposed nutrient recovery may not sound that plausible to the average engineer in public works (and may be a bit too futuristic, atm).
It shocks me though that a) whoever compiled this text obviously doesn’t know much about vacuum toilets and b) that a city like Frankfurt – which headquarters the European Central Bank among many other major German banks – doesn’t have the funds to finance some smarter public toilets that provide a bit more comfort and luxury.

Innovation in 2013? Sanitation kitu gani? Obviously, this calls for more private investments in the public sanitation sector – probably similar to what 2theloo or Sanifair have already achieved. Public toilets where you pay a fee but in return receive the comfort of a home toilet.

It’s a bit sad that many local governments a) fail to provide such basic needs and then b) don’t invest in such ventures while they are on the other hand busy doing risky PPP-business (like renting schools for 249 million Euro!) that are meant to fail and only create costs with no real return on investment.

If I had about 150.000€, I’d probably pull this up myself. Damn it.

1 comment » Write a comment

Leave a Reply

Required fields are marked *.


You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>